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SS-Hauptsturmführer Hermann Schaper
stand an der Spitze des "Einsatzkommando
Zichenau-Schröttersburg". Zichenau war der deutsche Name der 100
Kilometer nördlich von Warschau gelegenen Stadt Ciechanow, hinter
Schröttersburg verbarg sich die ehemalige Fürstenresidenz Plock an
der Weichsel. Beide Orte waren seit September 1939 von den Deutschen
besetzt.
Die von Schaper befehligten "Juden-Aktionen" im
Sommer 1941 wurden sowohl von deutschen als auch israelischen Stellen
unabhängig voneinander Anfang der sechziger Jahre
rekonstruiert.
Die Akten aus Ludwigsburg und Tel Aviv
In
der Zentralen Stelle für die Dokumentation von NS-Verbrechen in
Ludwigsburg befasste sich Amtsgerichtsrat Opitz mit dieser Aufgabe. Sein
Abschlussbericht, verfasst am 17. März 1964, trägt das Aktenzeichen 5
AR-Z 13/62. Punkt 6 ist den "Judenvernichtungen" in Jedwabne
gewidmet.
Bei der "Untersuchungsstelle für
NS-Gewaltverbrechen beim Landesstab der Polizei Israel" in Tel Aviv
wertete der Untersuchungsreferent N. Derschowitz die Aussagen von
Überlebenden aus dem Bezirk Lomza aus (P.Ain.-0189 vom 23. Januar
1963).
Ein Großteil der Berichte der Untersuchungsstelle wurde auf
deutsch verfasst, in der Muttersprache der meisten Mitarbeiter, die
Holocaust-Überlebende aus den deutschsprachigen Ländern
waren.
Suche nach den Fotos
Aus den Berichten von Zeugen
ist bekannt, dass deutsche Uniformierte bei den Ausschreitungen katholischer
Polen gegen die Juden von Jedwabne Fotos gemacht haben.
Dass eine
Nazi-Propagandaabteilung auch gefilmt hat, wie bei Gross steht, ist durch die
vorliegenden Dokumente nicht gedeckt.
Die deutschen Behörden
haben mehrere Angehörige des "Einsatzkommandos
Zichenau-Schröttersburg" identifiziert.
Im Abschlussbericht
von Opitz sind neben Schaper (geb 1911 in Straßburg) aufgeführt:
Bader, Ernst (Jg. 1910, zuletzt wohnhaft Stuttgart) Kunze, Johannes
(Jg. 1898, zuletzt wohnhaft Bremen) Schwanke, Helene, Protokollführerin
(Jg. 1906, zuletzt wohnhaft Bremen)
Außerdem wurden gegen folgende
Mitglieder des Kommandos im "Gestapo-Prozess" von Gießen 1976
verhandelt:
Derhage, Hans Hartmann, Franz Röhr,
Otto Scharot, Ernst
Die polnischen Behörden appellieren an
möglicherweise lebende Verwandte der aufgeführten Personen zu
überprüfen, ob sich in deren Besitz Fotografien befunden haben, die
im Jahr 1941 bei den "Judenaktionen" im Bezirk Lomza entstanden
sein könnten.
Informationen können in deutscher Sprache
übersandt werden an:
Prof. Dr. Edmund Dmitrow IPN ul.
Warsztatowa 1 A PL-15-637 Bialystok
Tel.+ Fax 0048 ? 85
? 66 47 372 e-mail: edmit@wp.pl
Thomas Urban, Süddeutsche Zeitung, 2002-09-03
powrot
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