nasza witryna Jedwabne - Dokumente über die deutschen Täter
von Thomas Urban, Süddeutsche Zeitung, 03.09.2002


  SS-Hauptsturmführer Hermann Schaper stand an der Spitze des "Einsatzkommando Zichenau-Schröttersburg". Zichenau war der deutsche Name der 100 Kilometer nördlich von Warschau gelegenen Stadt Ciechanow, hinter Schröttersburg verbarg sich die ehemalige Fürstenresidenz Plock an der Weichsel. Beide Orte waren seit September 1939 von den Deutschen besetzt.

Die von Schaper befehligten "Juden-Aktionen" im Sommer 1941 wurden sowohl von deutschen als auch israelischen Stellen unabhängig voneinander Anfang der sechziger Jahre rekonstruiert.

Die Akten aus Ludwigsburg und Tel Aviv

In der Zentralen Stelle für die Dokumentation von NS-Verbrechen in Ludwigsburg befasste sich Amtsgerichtsrat Opitz mit dieser Aufgabe. Sein Abschlussbericht, verfasst am 17. März 1964, trägt das Aktenzeichen 5 AR-Z 13/62. Punkt 6 ist den "Judenvernichtungen" in Jedwabne gewidmet.

Bei der "Untersuchungsstelle für NS-Gewaltverbrechen beim Landesstab der Polizei Israel" in Tel Aviv wertete der Untersuchungsreferent N. Derschowitz die Aussagen von Überlebenden aus dem Bezirk Lomza aus (P.Ain.-0189 vom 23. Januar 1963).

Ein Großteil der Berichte der Untersuchungsstelle wurde auf deutsch verfasst, in der Muttersprache der meisten Mitarbeiter, die Holocaust-Überlebende aus den deutschsprachigen Ländern waren.

Suche nach den Fotos

Aus den Berichten von Zeugen ist bekannt, dass deutsche Uniformierte bei den Ausschreitungen katholischer Polen gegen die Juden von Jedwabne Fotos gemacht haben.

Dass eine Nazi-Propagandaabteilung auch gefilmt hat, wie bei Gross steht, ist durch die vorliegenden Dokumente nicht gedeckt.

Die deutschen Behörden haben mehrere Angehörige des "Einsatzkommandos Zichenau-Schröttersburg" identifiziert.

Im Abschlussbericht von Opitz sind neben Schaper (geb 1911 in Straßburg) aufgeführt:

Bader, Ernst (Jg. 1910, zuletzt wohnhaft Stuttgart)
Kunze, Johannes (Jg. 1898, zuletzt wohnhaft Bremen)
Schwanke, Helene, Protokollführerin (Jg. 1906, zuletzt wohnhaft Bremen)

Außerdem wurden gegen folgende Mitglieder des Kommandos im "Gestapo-Prozess" von Gießen 1976 verhandelt:

Derhage, Hans
Hartmann, Franz
Röhr, Otto
Scharot, Ernst

Die polnischen Behörden appellieren an möglicherweise lebende Verwandte der aufgeführten Personen zu überprüfen, ob sich in deren Besitz Fotografien befunden haben, die im Jahr 1941 bei den "Judenaktionen" im Bezirk Lomza entstanden sein könnten.

Informationen können in deutscher Sprache übersandt werden an:

Prof. Dr. Edmund Dmitrow
IPN
ul. Warsztatowa 1 A
PL-15-637 Bialystok

Tel.+ Fax 0048 ? 85 ? 66 47 372
e-mail: edmit@wp.pl

Thomas Urban, Süddeutsche Zeitung, 2002-09-03

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