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Prof. Tomasz Strzembosz "Rzeczpospolita" Nr. 110 vom 12. Mai 2001 [Arbeitsübersetzung aus dem Polnischen von Beata Kubas] |
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Originalübersetzung unter der Adresse: http://www.pai.pl/jedwabne/niem/strzembosz1.html
Vor einigen Wochen, nach der Erscheinung meines letzten Artikels "Ein
anderes Bild der Nachbarn" in "Rzeczpospolita" ("Rz" vom 31.03.2001) gab es
sehr viele Anrufe an verschiedene Zeitschriftenredaktionen und Radiosender, es
rief mich auch jemand an, der mich informierte, dass er [linksorientierte
Tageszeitung] "Trybuna" repräsentiere. Als ich höflich auf mehrere mir
gestellte Fragen über mein Wissen über das Verbrechen in Jedwabne antwortete,
hörte ich: "Warum polemisieren Sie gegen Gross?". Ich antwortete: "Um der
Wahrheit näher zu kommen". Mein Gesprächspartner legte ab.
 Da
ist also des Pudels Kern. Mehrere Personen wissen ganz genau, was in Jedwabne
am 10. Juli 1941 passierte. Professor Gross weiss es - denn er führte
Forschungen. Frau Arnold - weil sie mit einer gewissen Anzahl der
Stadteinwohner sprach. Andere - darunter auch ein paar Historiker - weil sie
das Buch von Prof. Gross gelesen haben.
 Sie
wissen. Und weil sie über dieses Wissen verfügen, äußern sie sehr selbstsicher
verschiedene Urteile, darunter auch moralischer Art. Sie urteilen,
missbilligen, verurteilen, sagen, man solle um Verzeihung bitten, und wundern
sich sogar, dass so lange Schweigen herrschte - und heute, dank Prof. Gross -
und ihnen auch, wurde dieses Schweigen gebrochen.
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Als
wenn sie nichts über Polen der Jahre 1945-1989 wüssten, und als wenn sie von
einem Teil der Schuld für dieses Schweigen befreit wären. Denn immer sind
irgendwelche "andere" schuldig. Gleichzeitig vergessen sie, genauso wie es
Prof. Gross vergaß, dass verschiedene "andere" bereits darüber geschrieben
haben, nur das Thema wurde damals von der Presse nicht aufgegriffen, Radio und
Fernsehen schwiegen. Sogar nach 1989, wo man schon "durfte". Die ganze Zeit
herrschte Stille, so wie es jetzt darüber laut ist.
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Lenken
wir also unsere Aufmerksamkeit auf eine interessante Erscheinung. Wegen dem
Schweigen werden "alle Heiligen" angeschuldigt, außer einem Milieu, das
wirklich verpflichtet war, über das Schicksal der Juden nicht nur in Warschau
oder im Generalgouvernement, sondern auch im ganzen Gebiet der 2. Republik zu
schreiben. Das heißt das Jüdische Historische Institut.
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In
seinen Sammlungen wird ja seit 55 Jahren der Bericht von Wasersztajn
aufbewahrt; da das Institut diesen Bericht der Staatsanwaltschaft des
Bezirksgerichtes in Lomza übermittelte, kam es überhaupt zu Ermittlungen und
zum Prozess der 22 Personen, die des Mordes an den Einwohnern von Jedwabne
angeschuldigt wurden. Das Institut ist von allen polnischen wissenschaftlichen
Institutionen am meisten dazu berufen, um polnisch-jüdische Beziehungen zu
untersuchen, auch in den Ostgebieten, auch in den Jahren 1939-1941, auch dann,
wenn es ein sehr komplizierter Fragenkomplex ist. Denn es wurde ja nicht dazu
gegründet, um Arbeiten anderer zu rezensieren.
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Fehlende Fakten
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Es
gibt also unter uns viele, die "wissen". Und Gleichzeitig, wenn man die Sache
näher betrachtet, stellt sich heraus, dass unaufhörlich Fakten fehlen, auf
denen man basieren könnte.
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Und
so wissen wir nicht einmal, wie viele Polen und wie viele Juden in Jedwabne
vor dem 10. Juli 1941 wohnten.
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Prof.
Gross sagt, dass dort laut der im Dezember 1931 gemachten Volkszählung 2167
polnische Bürger wohnten, über 60% davon jüdischer Herkunft (S. 27)
[1].
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Stützt
man sich auf so schwachen Prämissen, begeht man geradezu kompromittierende
Fehler.
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Bei
der Besprechung der polnisch-jüdischen Beziehungen in Jedwabne in den 30er
Jahren, schreibt Prof. Gross über die ständige Pogrom-Bedrohung (S. 28-29).
Vor einem Pogrom 1934 schützten die Juden aus Jedwabne die guten Beziehungen
des Rabbiners zu dem örtlichen Pfarrer. Er schreibt (S. 30): "Der Rabbiner von
Jedwabne und der örtliche Pfarrer hatten gute Beziehungen zu einander fast bis
zum Kriegsausbruch, wo ein neuer Priester, Marian Szumowski, kam, der mit den
Nationaldemokraten sympathisierte"; und an einer vorangehenden Stelle "Dem
kommenden Pogrom - laut Gerüchten - beugte erst der Besuch des Rabbiners
Awigdor Bialostocki bei dem örtlichen Pfarrer in Begleitung von Jena Rothchild
vor (...)". Würde dagegen der Wissenschaftler in den Register der Diözese
Lomza schauen, würde er erfahren, dass Pater Ryszard Marian Szumowski in
Jedwabne Pfarrer von 1931 bis Juli 1940 war, wo er vom NKWD verhaftet wurde.
Und eben dieser "mit den Nationaldemokraten sympathisierende Pfarrer", hielt
das Pogrom von 1934 auf, was auch im Gedenkbuch der Jedwabne-Juden erwähnt
wird, auf dem unser Autor basiert. Er würde ebenfalls dem Pfarrer wegen seiner
Passivität in den Ereignissen 1941 nicht die Schuld zuschreiben, da damals
Szumowski bereits verstorben war, und in der Pfarrgemeinde lediglich sein
Vikar Kemblinski blieb.
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Es
muss hier hinzugefügt werden, dass in solchen Städten wie Jedwabne, wo sich
ständig dieselben Namen wiederholen, besondere Vorsicht geboten ist. Die
Tochter von Czeslaw Krystowczyk, Sohn von Franciszek und Waleria, geboren am
14.07.1907 und verstorben am 23.03.1995, bat mich zu schreiben, dass er nicht
derselbe Czeslaw Krystowczyk sei, Sohn von Jan und Stanislawa, örtlicher
Kommunist, der im Bericht von Kielczewski vorkommt, der von  mir im Artikel "Verschwiegene
Kollaboration / Przemilczana kolaboracja" ("Rz" vom 27.01.2001) zitiert wurde.
Ich tue das also mit vollster Zufriedenheit.
Der Fall des Stadtvorstandes in Jedwabne (Juni - Juli 1941)
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Im
Kapitel mit dem sehr charakteristischen Titel "Vorbereitungen", ganz am
Anfang, schreibt Prof. Gross: "In der Zwischenzeit [d.h. zwischen dem 22. Juni
und 10. Juli 1941 - T. S.] bildeten sich die neuen städtischen
Behörden. Bürgermeister wurde Marian Karolak und Magistratsmitglieder unter
anderen ein gewisser Wasilewski und Jozef Sobuta. Über die Aktivitäten des
Stadtvorstandes in jener Zeit können wir nur sagen, dass er mit den Deutschen
die Ermordung der Juden aus Jedwabne plante und absprach".
[Unterstreichung stammt von mir - T.S.]
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Was
bedeutet "bildeten sich"? Unter deutscher Okkupation, in dem hier zu
errichtenden Bezirk Bialystok? Hat jemand diesen Vorstand gewählt? Wer? Er
konnte spontan, auf Initiative mehrerer Personen gegründet werden, aber, zum
Himmel, hier regierten die Deutschen und es konnte lediglich ein
kommissarischer Vorstand gewesen sein, von Deutschen ernannt, der örtlichen,
dort gerade gebildeten, NS-Verwaltung untergeordnet. Übrigens behauptet
Jadwiga Kordas, war der Chef des Amt
Komisariat in Jedwabne (wir wissen nicht seit wann) ein Deutscher,
Bryczkus. (So wurde der Name von der Berichterstatterin ausgesprochen, ich
weiß nicht, wie er sich schreibt).
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Wenn
jetzt dieser Vorstand als polnische Institution, polnische Selbstverwaltung
betrachtet wird, zielt man damit deutlich darauf ab, den Eindruck zu erwecken,
dass die polnischen Behörden mit den Deutschen bei der Vernichtung der Juden
kooperierten. Jedoch Marian Karolak und die anderen hier erwähnten Vertreter
der Stadtbehörden waren einfach Kollaborateure, die ihre Funktionen ausübten,
weil sie von den Deutschen dazu ernannt wurden. Dies wird durch die Tatsache
unterstrichen, dass sowohl Marian Karolak, als auch Jozef Sobuta und Karol
Bardon nicht gebürtige Jedwabne-Einwohner waren, sondern Ankömmlinge, die hier
erst in den 30er Jahren sesshaft wurden. Karolak kam dorthin, wie mir mehrere
Personen sagten, nach einem Gefängnisaufenthalt wegen einer Veruntreuung. Sie
erfreuten sich also weder entsprechender Unterstützung noch Autorität, was
dazu führte, dass sie wunderbar für die Rolle, die ihnen zugeschrieben wurde,
geeignet waren. Darauf weist ihr Verhalten am 10. Juli 1941 hin.
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Weiter
- auf Grund welcher Dokumente oder Berichte behauptet Prof. Gross, dass eben
sie "mit den Deutschen die Ermordung der Juden aus Jedwabne geplant und
abgesprochen hatten", dass sie Anstifter des Verbrechens und nicht nur
Ausführer waren.
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Der
Autor stellt mehrere "Argumente" und mehrere "Zeugenaussagen" vor.
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Warnung vor der vorbereiteten Aktion "durch nicht-jüdische Freunde" von Dwojra
Pecynowicz und Mietek Olszewicz.
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Ankunft von Bauern aus den umliegenden Dörfern in Jedwabne, "obwohl es kein
Markttag war" (S. 51).
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Die Zeugenaussage von Jerzy Laudanski, des damaligen Boten auf dem
Gendarmerierevier: "1941 kamen mit dem Taxi vier oder fünf Gestapomänner und
sprachen im Magistrat, ich weiß nicht worüber.
Nach
einiger Zeit sagte Karolak Marian zu uns Polen, dass wir polnische Bürger in
den Stadtvorstand rufen sollen, nachdem wir die polnische Bevölkerung
zusammenriefen, befahl er uns Juden zum Markt zu treiben, ihnen zu sagen, dass
sie arbeiten werden, was die Bevölkerung auch machte, ich nahm an dieser Zeit
ebenfalls an dem Zusammentreiben der Juden auf dem Markt teil". (S. 52)
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Die Zeugenaussage von Karol Bardon, einem deutschen Gendarme, der in den
Gendarmerie-Werkstätten am Neuen Markt arbeitete, dass "er vor dem Magistrat
in Jedwabne mehrere Gestapomänner sah, er weiß nur nicht, ob es am Tage des
Massenmordes oder früher war". (S. 53) - Fragment aus dem Bericht von Szmul
Wasersztajn, der schrieb, dass am 10. Juli "so ein Befehl von den Deutschen
erteilt wurde". (S. 52)
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Die Zeugenaussage von Henryk Krystowczyk, der - was aus den Gerichtsakten
folgt, zuerst entschieden behauptete, dass der Vertrag mit den Deutschen vom
Bürgermeister Karolak mit Eugeniusz Sliwecki, seinem Stellvertreter,
unterschrieben gewesen worden sei, und als dann der Richter auf ihn Druck
ausübte, gestand, dass er es "von Leuten gehört hatte". (S. 53) Es gibt also
wirklich viele Prämissen und Zeugenaussagen, tja! Sehen wir uns das doch etwas
näher an.
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Jemand
warnte Dwojra Pecynowicz und Mietek Olszewicz (wir wissen nicht, wer es war!)
vor der geplanten Aktion, daraus kann man jedoch offensichtlich nichts über
den abgeschlossenen "Vertrag" schließen. Man konnte den Schluss ziehen, da
eine größere Gruppe der Deutschen (darüber später) gekommen war, es konnte das
Ergebnis von irgendwelchen Gerüchten sein, Widerspiegelung von dem, was am 7.
Juli in Radzilowo passiert war, usw. Der Bericht des Gendarmerieboten über die
Ankunft der Gestapo, der vermutet, dass etwas besprochen wurde, aber nicht
weiß was, selbst nichts gehört hat, verbindet lediglich diesen Fakt mit der
Aufforderung, Juden zum Markt zu treiben, sagt auch nichts über den "Vertrag",
sondern eher über die Befehlserteilung. Ich habe übrigens auch nie gehört,
dass die Deutschen irgendwelche "Verträge" mit dem Warschauer Judenrat 1942
oder mit dem kommissarischen Bürgermeister Warschaus 1939-1944 abgeschlossen
hätten. Verschweige denn "einen Vertrag" mit den Vertretern einer Kleinstadt.
Die Deutschen befahlen einfach.
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Bardon,
ähnlich wie Jerzy Laudanski, sah nur die Gestapo in das Vorstandsgebäude
eintreten. Szmul Wasersztajn spricht übrigens nicht vom "Vertrag" sondern vom
"Befehl", aber aus offensichtlichen Gründen war er die am schlechtesten
informierte Person: zwischen dem kollaborierenden Stadtvorstand und der
Gemeinschaft, die gleich ermordet werden sollte, musste eine
Kommunikationsbarriere herrschen. Henryk Krystowczyk hat ebenfalls etwas
gehört. Jedoch Henryk Krystowczyk ist eine höchst unglaubwürdige Person. Ein
Lügner, der beim lügen erwischt wurde, außerdem ein Mensch, der sich als Zeuge
des Verbrechens aus niedrigen Motiven, aus Rache, meldete. Als er aussagte,
dass er gesehen hatte, wie die Juden von Czeslaw Laudanski und seinem Sohn
Zygmunt sowie Aleksander Lojewski in die Scheune getrieben wurden, "mit einem
Stock in der Hand", und das noch angeblich vom Dachboden des Hauses seines
Vetters, Waclaw Krystowczyk, gelegen in der Przestrzelska-Str., erklärte der
erwähnte Waclaw, dass "er es nicht gut von meinem Haus beobachten konnte, denn
die Aussicht auf die Scheune Sleszynskis ist zugedeckt"[2]
(GK SCL 123, f. 213v und 218). Tatsächlich. Von der Przestrzelska-Str. ist es
unmöglich zu sehen, was auf dem Weg zur Scheune passiert, und nicht mal von
der Cmentarna-Str., denn sie ist hinter den Häusern und Bäumen versteckt,
außerdem ist es schwer, aus ungefähr 250 m Entfernung Personen zu erkennen und
zu sehen, wer einen Stock in der Hand hatte. Deshalb erkannte Krystowczyk
diejenigen, die er erkennen wollte, zusammen mit Czeslaw Laudanski, der dort
mit Sicherheit nicht gewesen war.
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Fassen
wir zusammen. Eine Information mit besonderer Bedeutung, sowohl von der
Faktographie als auch von der moralischen Seite gesehen, die dem polnischen
Stadtvorstand und den Polen die Schuld zuschreibt, folgt für Prof. Gross aus
Gerüchten und Vermutungen. Während der deutschen Besatzung würde man sagen,
dass sie auf PPP basiert (PPP - Pewna Pani Powiedziala - Wortspiel: Es sagte mal eine Dame - ad.
Ü.). Und gerade wenn er so eine Anschuldigung formuliert, war er besonders
verpflichtet, sich um die Glaubwürdigkeit seiner Quellengrundlage zu
bemühen.
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Unterdessen
formuliert es der Autor von "Nachbarn" folgendermaßen: "Wo entstand die Idee
für diese Unternehmung - unter den Deutschen (dies könnte man dem Satz
"dies befahlen die Deutschen" aus dem Bericht Wasersztajns entnehmen), war
das eine Initiative von unten der Stadträte - es ist unmöglich, dies
festzustellen. Übrigens ist es ohne größeren Belang [Unterstreichung
stammt von mir - T.S.], denn beide Seiten kamen offensichtlich einfach zur
Einstimmung". (S.52)
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Also
das kann ich wirklich nicht verstehen! Wenn einem polnischen Historiker
egal ist, ob die Initiative für diesen schrecklichen Mord an den
Einwohnern der Kleinstadt, an Nachbarn, von den Besatzern stammte, oder auch
"eine Initiative von unten" des kollaborierenden, obwohl aus Polen
zusammengesetzten, Stadtvorstandes war, bin ich nicht imstande mit ihm zu
diskutieren. Was würde denn die jüdische Gemeinschaft über einen jüdischen
Historiker sagen, der schreiben würde, dass es ihm egal sei, ob
tausende Warschauer Juden aus dem Warschauer Getto vom Judenrat auf deutschen Befehl zum
Umschlagplatz geschickt wurden, oder ob es eine Initiative von unten, vom
Judenrat war, "denn beide Seiten kamen offensichtlich einfach zur
Einstimmung". Ich lasse diese Frage ohne Antwort.
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Außerdem
würde ich gerne dem Autor von "Nachbarn" zwei einfache Fragen stellen:
1. Â
Woher
weiß er, dass es im Juli 1941 in Jedwabne außer dem Stadtvorstand noch einen
Stadtrat gab, und dass er überhaupt an den eventuellen Gesprächen mit
Deutschen teilnahm?
2. Â
Woher
weiß er, dass beide "Parteien" sich leicht geeinigt hatten, wenn über die
Gespräche selbst: ihren Verlauf, ihre Folgen und Umstände uns eigentlich
nichts bekannt ist?
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Das
alles sind unverantwortliche, leere Worte, ohne Begründung, aber mit einer
sogar zu sichtbaren Tendenz, die Einwohner von Jedwabne in den Schmutz zu
ziehen. Einfach eine Schande.
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Es
gibt also keinen Grund, um sich Gedanken zu machen - wenn wir den Berichten
von Szmul Wasersztajn und Eliasz Gradowski (Anmerkung 48, S. 54) folgen - ob
die Deutschen wirklich den Polen vorgeschlagen hatten zu "erlauben" (das folgt
aus dem Kontext), eine gewisse Anzahl der Juden - Fachleute - am Leben zu
erhalten, und Bronislaw Sleszynski leistete dem Widerstand; sowie ob wir
anerkennen - laut dem Bericht von Wiktor Nielawicki - dass "die Deutschen
bereits direkt an der Scheune suggerierten, einige Juden zu schonen, weil
Arbeitskräfte nötig waren, worauf einer der die Aktion leitenden Polen
erwiderte, dass sie eine entsprechende Zahl der eigener Leute als
Arbeitskräfte zur Verfügung stellen werden" [Unterstreichung stammt von mir -
T.S.].
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Wasersztajn
konnte eventuell etwas darüber gehört haben, aber aus wirklich "zweiter Hand"
(wie Gross schreibt), dagegen Eliasz Gradowski, der bis Kriegsende in der
UdSSR war, hatte damals nicht mal aus "zweiter Hand" etwas gehört. Und er ist
- fügen wir hinzu - ein offensichtlicher Lügner, der in seiner Zeugenaussage
nicht nur verheimlicht, dass er sichÂ
am 10. Juli 1941 hunderte Kilometer von Jedwabne entfernt aufhielt,
sondern sogar vormachte, er wäre einer der Repressionierten. Er sagte nämlich
aus: "Am Anfang trieben sie alle Juden zum Markt in Jedwabne - ich floh in
dieser Zeit (...)" und nannte in seiner Aussage sogar 26 Personen, die des
Mordes schuldig waren, fügte noch hinzu, dass dasselbe Abram Boruszczak
gesehen hatte, Hauptbelastungszeuge, der überhaupt nicht in Jedwabne
wohnte.
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Alles
wird noch schmackhafter durch die Tatsache, dass derselbe Eliasz Gradowski in
seiner Aussage vom 8. Januar 1947 (also zwei Jahre früher) vor dem
Kreisgericht Lomza im Prozess über die Übertragung an Gedal London der
Liegenschaft an der Przestrzelska-Str. in Jedwabe, die vorher seiner Schwester
Sora Drejarska gehörte, aussagte: "Drejarska wurde samt Familie von den
Deutschen ermordet, es blieb nur der Bruder am Leben", in einem
analogischen Prozess in Sachen Josech Lewin behauptete er: "Er ist der Bruder
von Fajga aus der Familie Semin, die 1941 am 10. Juli von den Deutschen auf
diese Weise ermordet wurde, dass die Juden und unter anderem sie in eine
Scheune in Jedwabne zusammengetrieben und verbrannt wurden. Ich weiß es, da
ich mich damals in der Gegend von Jedwabne versteckte" [Unterstreichung
stammt von mir - T.S.]. In demselben Prozess war in Zeugenstand ein anderer
polnischer Bürger jüdischer Herkunft, Jankiel Bena, er sagte: "Am 10. Juli sah
ich wie die Deutschen alle Juden aus Jedwabne in eine Scheune zusammentrieben
und in Brand setzten. (...) Ich versteckte mich damals vor den Deutschen und
zu dieser Zeit hatte ich ein Versteck auf dem Friedhof, und ich habe alles
gesehen".
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Jedoch
wissen wir nicht, ob er vom katholischen Friedhof in der Cmentarna-Str.
spricht, der mehrere hundert Meter von Sleszynskis Scheune entfernt war, oder
vom jüdischen Friedhof, der einige Dutzend Meter entfernt war.
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Dies
betrifft auch andere Zeugen. Das Kreisgericht in Lomza stellte damals fest:
"Der Tod von Zelik Zdrojewicz wurde nach der Aussage des Augenzeugen Zelik
Lewinski festgestellt, der am kritischen Tag Zdrojewicz gesehen hatte, wie er
zusammen mit der ganzen jüdischen Bevölkerung aus Jedwabne zu einer Scheune
geführt wurde, die dann von Deutschen in Brand gesetzt wurde. Dem
Zeugen gelang es, im letzten Moment vor der Einführung in die Scheune zu
fliehen" [Unterstreichung stammt von mir - T.S.].
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Es
stellt sich also die Frage: Wann sagten Eliasz Gradowski und andere die
Wahrheit - dann, als sie die Polen des Mordes beschuldigten, und dabei die
deutsche Beteiligung eliminierten, oder dann, als sie über Deutsche aussagten,
ohne Polen zu erwähnen. Es scheint nämlich, dass sie gerade das sagten, was
sie im gegebenen Moment für günstig oder bequem hielten.
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Und
noch eine Bemerkung. Die Behauptung GrossÂ’, die Berichte der letzten
Holocaust-Zeugen seien Dokumente von besonderer Glaubwürdigkeit und sollten
auch so behandelt werden, wurde von ihm selbst disqualifiziert, lächerlich
gemacht. Vielleicht in anderen Fällen - ja, aber in jenen, in denen er sie zur
Darstellung seiner These verwendete - nein. Ich
kann da nichts machen.
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Das,
was Eliasz Gradowski und Abram Boruszczak betrifft, betrifft auch Wiktor
Nielawicki, der laut Gross "geflohen war, bevor die Menge der Juden in die
Scheune hineingetrieben wurde" (Anmerkung 48, S. 54). Ist er zur Scheune zurückgekommen, um
die Gespräche der Mörder zu belauschen? Und wer hat den vor der Todesgefahr
Versteckten über diese Gespräche informiert, doch nicht die "die Aktion
leitenden Polen".
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Auf
diese Weise schwebt die ganze These über einen Vertrag zwischen irgendeiner
polnischer Macht und der deutschen Polizei in der Leere, wird von keinen
ernsten Argumenten belegt.
Wer
setzte die Scheune Sleszynskis in Brand
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Dies
ist wirklich die Schlüsselfrage und wartet immer noch auf eine Antwort. Mir
stehen zu Verfügung keine Dokumente, die entscheidende Bedeutung haben
könnten, ich möchte aber trotzdem mehrere Zeugenaussagen präsentieren, die
nützlich erscheinen können.
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Die
erste ist die Erklärung von Aleksander Wyrzykowski, Ehemann von Antonina, die
die wichtigste positive Heldin des Films "Nachbarn / Sasiedzi" von Agnieszka
Arnold ist und ebenfalls im Gross` Buch vorkommt. Sie sind es, die zusammen
sieben Personen jüdischer Herkunft bis 1945 versteckt hatten. Am 2. Mai 1962
unterschrieb Aleksander Wyrzykowski (geb. 1908 und damals wohnhaft in
Milanowek bei Warschau) seine "Aussage", die mit den Worten beginnt: "Ich,
Wyrzykowski Aleksander zusammen mit meiner Frau Antonina möchte folgendes
erklären. Seit November 1942 bis zum 22. Januar 1945 versteckten wir bei uns
sieben Juden. Wir wohnten damals in Janczewek, Kreis Lomza. Unweit von uns, in
der Kleinstadt Jedwabne, verbrannten die Deutschen bei Mithilfe einiger
Polen 1942 [Irrtum - 1941 - T.S.] 1600 Juden bei lebendigem Leib.
(...)" [Unterstreichung stammt von mir - T.S.]. Die zweite Aussage stammt von
Stefan Boczkowski vom Dorf Grady Male, das in der Nähe von Jedwabne liegt, der
zusammen mit seinem Freund Roman Chojnowski aus demselben Dorf am 10. Juli
Zeuge der Ereignisse in Jedwabne war. Beide waren damals mehr als 15 Jahre
alt. Er schrieb mir in seinem Brief vom 21. November 2000: "Wir beide gingen
mit anderen Einwohnern in gewisser Entfernung im hinteren Teil der Kolonne
[der Juden - T.S.] - aber wir sahen fast die ganze Kolonne ziemlich genau. Als
die Kolonne sich der Scheune näherte, wurden die Juden brutal aufgefordert
hineinzugehen, meistens "halfen ihnenÂ
physisch" deutsche Soldaten, sie traten, schlugen und schubsten
einzelne Personen mit Gewalt. Als bereits alle von der Kolonne in der Scheune
zusammengepfercht wurden, wurde ihr großes Tor geschlossen, d.h. das Tor, das
zum Einfahren der Wirtschaftswagen diente. Dann kam schnell ein offener
Armeelaster mit Soldaten und ein
Teil der Soldaten sprang sofort vom Laster ab, der Rest der oben gebliebenen
Soldaten begann den da unten Metallbehälter mit Benzin schnell zu reichen,
diese Soldaten fingen blitzschnell an, die Seiten der Scheune mit Benzin zu
begießen; direkt danach begann ein Teil der Soldaten die Scheune von allen
Seiten in Brand zu setzen. Die Scheune fing sofort Feuer, dass sich schnell in
hohen Flammen verbreitete, Qualm umfasste sie. Furchtbare Schreie, furchtbares
Gejammer und ein fast höllisches Gebrüll brachen aus (...)".
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Mit
der Aussage Boczkowskis stimmt eine andere überein, die in New York gemacht
wurde, nicht vor mir, sondern vor Waldemar Piasecki. Ich bin nicht imstande
ihre Redlichkeit einzuschätzen,
obwohl sie sehr glaubwürdig erscheint. Sie wurde von Apolinary Domitrz
gemacht, der im Dorf Rostki bei Jedwabne 1929 geboren wurde und zusammen mit
Spielkameraden Jan Rakowski und Zenon Ryszkiewicz Kühe hütete, in einer
Entfernung von 0,5 km von der Brandstelle. Nachdem sie den Brand erblickten,
rannten sie dorthin, aber die Scheune stand schon ziemlich lange in Flammen.
Der Bericht läuft wie folgt:
Â
"Als
die Scheune zu brennen anfing, war es warm. Die Flammen gingen hoch. Wir
rannten also sofort nach Jedwabne. (...) Bogen in die Cmentarna-Str. ein. Wir
blieben stehen ungefähr 250m von der Scheune entfernt. Sie
brannte schrecklich. Die
Splitter knallten. Sie war aus Holzbrettern, strohgedeckt. Alles war warm.
Dann kam es zu einer Explosion und gelber Qualm stieg auf. So groß. Die
Deutschen gingen vom Feuer weg. Und andere? Welche andere? Da waren
keine Polen. Nur Deutsche. Wir haben keinen Polen gesehen. Wieviel
Gendarmen waren es? Viele sind gekommen. Zwanzig oder dreißig Mann. Ich
habe sie nicht gezählt, aber es waren viele. (...)" (Zeuge Nr. 5. Jedwabne -
Kulissen des Verbrechens / Jedwane - Kulisy zbrodni. "Kulisy",
Nr. 16 vom 19.04.2001).
Â
Man
kann sagen, die gegenwärtige Relation aus der Zeitschrift "Kulisy" sei
belanglos. Da die Glaubwürdigkeit von Gradowski und Boruszczak, die vor
Gericht aussagten, gleich Null ist, wäre ich nicht so skeptisch gegenüber
Aussagen eingestellt, die nach Jahren gemacht werden, wenn sie völlig
unabhängig voneinander gemacht wurden, und wenn die dort übermittelten
Tatsachen und Bilder sich gegenseitig bestätigen. Der Unterschied zwischen den
Zeugnissen von Boczkowski und Domitrz liegt darin, dass der erste das
Zusammentreiben der Juden und das Feuer von Anfang an beobachtete, also auch
die Beteiligung der Polen, dagegen der zweite erst kam, als die polnische
Bevölkerung das Gelände um die Scheune herum verlassen hatte.
Â
Die
Glaubwürdigkeit Boczkowskis steigert noch ein zusätzliches Element. Obwohl er
als er seine Aussage machte, die Prozessakten von 1949 nicht kannte,
unterschied er deutlich zwischen zwei Gruppen von Polen, die für die Bewachung
der Juden auf dem Markt und das Zusammentreiben in die Scheune engagiert
waren. Die erste setzte sich zusammen aus "Gezwungenen", die die Aufgabe unter
Zwang ausführten, die zweite aus "Freiwilligen", die sich durch das Schlagen
der Juden auszeichneten.
Â
Die
örtliche Bevölkerung war überzeugt, dass die Deutschen die Juden in Jedwabne
verbrannt hatten und das dasselbe Schicksal ebenfalls Polen zukommen kann -
darüber spricht der Bericht von Pater Kazimierz Olszewski, Seelsorger in der
Anstalt für Sehbehinderte in Laski bei Warschau. Er schrieb u.a.:
Â
"Ich
wurde im Dorf Grady Duze geboren, 4 km von Jedwabne entfernt, und hier wohnte
ich bis 1953. In Jedwabne befand sich meine Pfarrkirche. (...) Am 22. Juni
1941 flohen die Sowjets und kamen die Deutschen. Am 10. Juli 1941 war ich mit
meinem Vater, der unseren Acker in der Nähe des Dorfes Przestrzele, etwa 1,5
km von Jedwabne entfernt, bebaute. Am späten Nachmittag sahen wir eine hohe
Rauchsäule. Es war ein warmer, sonniger Tag. In Jedwabne gab es einen Brand,
etwas war in Feuer.
Â
Am
Abend kamen wir zurück nach Hause. Es verbreitete sich die Kunde - die
Deutschen haben in einer Scheune in Jedwabne Juden verbrannt. In meiner
Umgebung hörte ich Äußerungen, dass bald dasselbe mit den Polen passiert. Ich
werde nie das Gespräch mit meiner Mutter, Helena, vergessen: "Mama, ich habe
Angst, wir werden ja auch verbrannt". Ich hörte als Antwort: "Habe keine
Angst, das dauert nicht lange". Diesen Qualm von der brennenden Scheune und
das Gespräch mit meiner Mutter werde ich nie vergessen. (...) Man sprach nicht
viel über die Teilnahme der örtlichen Bevölkerung am Juden-Holocaust, denn es
gab keine Zweifel daran, wer der Haupttäter des Mordes in Jedwabne war".
(Brief vom 6.03.2001)
Â
Ich
schreibe nicht all das, um um jeden Preis die Teilnahme und Verantwortung der
Polen zu mindern, die ja auch - und das steht fest - in irgendeiner Gruppe an
diesem Mord teilgenommen hatten. Instruktiv ist jedoch die Feststellung von
Prof. Adam Dobronski zu den Vorfällen in Tykocin, "die bislang als Beispiel
der drastischsten Teilnahme der Polen an der Vernichtung der Juden in der
Gegend von Bialystok galten. Aus jüdischen Berichten folgte, dass eben Polen
dieses Pogrom organisierten (...) Nachdem jedoch die Quellen genauer
untersucht wurden, wurde die polnische Beteiligung deutlich gemindert und
aktuell spricht man, dass zwar eine gewisse Anzahl von Polen daran teilnahm,
aber auf folgende Weise - die Deutschen machten davor eine Razzia auf Polen,
einige wurden namentlich geladen, andere von der Straße gesammelt".
(A.
Dobronski - "Historische Kontroversen werden durch Dialog verifiziert /
Historyczne kontrowersje weryfikuje sie w dialogu" ("Rzeczpospolita" vom
5.05.2000). Ähnlich wie in Jedwabne.
Â
Dieses
Zitat führt uns zum Problem der Analogie, der Betrachtung des Mordes in
Jedwabne aus dem Standpunkt anderer Städte und Kleinstädte der Region
Lomza.
Wie war es in anderen Ortschaften
Â
Wir
haben noch kein vollständiges Wissen über ähnliche Mordakte, wie die in
Jedwabne. Es wurden in ungefähr derselben Zeit in mindestens mehreren
Ortschaften solche Morde verübt, aber aus den Beschreibungen der damaligen
Vorfälle folgen solche Szenen, die auf ein programmiertes "Szenario", "Ritual"
der Massenvernichtung jüdischer Bevölkerung hinweisen. Jedes Mal sind hier die
"Hauptregisseure" oder "-akteure" die Deutschen, bei einer kleineren oder
größeren Beteiligung einer Gruppe der örtlichen Bevölkerung. Die
Beschreibungen der polnischen und jüdischen Zeugen stimmen übrigens überein,
es kann also von keiner Manipulation, Lüge der Berichterstatter die Rede
sein.
Â
So
wurden die Juden in Zareby Koscielne identisch behandelt wie in Jedwabne,
jedoch bereits im September 1939. Waclaw Zakrzewski notierte 1973 in seiner
Relation unter dem Titel "Unwegsame Gegend des Krieges / Na wojennych
bezdrozach" (Ostarchiv, Sign. II/507/L), dass die Deutschen nach Zareby am 14.
September 1939 einmarschierten.
Â
"Die
jüdischen Ortseinwohner mit dem Rabbiner an der Spitze gingen die Deutschen
begrüßen. Die deutschen ließen sich begrüßen und forderten dann alle Juden
auf, sich auf dem Markt zu versammeln. Nachdem alle Juden sich dort versammelt
hatten, befahlen sie ihnen, den Mist, der auf dem Marktplatz nach dem Markttag
geblieben ist, zu sammeln und dem Rabbiner, ihn im Hut wegzutragen
(...)".
Â
Ist
das nicht ähnlich wie in Jedwabne, wo der Markt als Vortakt der Hinrichtung
gesäubert wurde? Dagegen in Czyzewo, westlich von Jedwabne, befahlen die
Deutschen nach ihrem Einmarsch im Juni 1941 die Lenin- und Stalindenkmale zu
zerstören. Doktor Marian Godlewski aus Warschau, damaliger Bewohner der
Kleinstadt, erinnert sich daran wie folgt:
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"Die
Russen errichteten ein Lenin-Denkmal auf dem Markt in Czyzewo sowie eine
Stalin-Büste auf dem Bahnhof, auf der Grünanlage neben dem Bahnhofsgebäude.
Der Bahnhof war von dem Städtchen ungefähr 1 km entfernt. Gleich nachdem die
Deutschen die Stadt besetzt hatten, trieben sie alle Juden aus Czyzewo mehrere
Tage zusammen und befahlen ihnen das Lenin-Denkmal zu zerstören, dann zum
Bahnhof zu gehen und das Stalin-Denkmal zu zerstören, dann die Überreste der
beiden Denkmäler herumzutragen und jüdische Trauerlieder zu singen; nach
dieser Prozession die zerstörten Denkmäler in den Fluss Broja zu werfen. Das
wurde von den Deutschen organisiert". (Brief vom 19.04.2001)
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Dieser
Befehl, die Denkmäler der "Anführer" zu zerstören, sie während einer
Prozession mit Gesang (in Jedwabne sang man "Wegen uns Krieg / Przez nas
wojna" und sowjetische Lieder) herumzutragen, ist doch ebenfalls ein rituelles
Element vor dem Mord.
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Sehen
wir uns das jetzt mit den Augen der örtlichen Juden an. Zuerst
Zareby Koscielne. "Anfang
August 1941 versammelten die polnischen Polizisten jüdische Männer, die bei
den sowjetischen Behörden arbeiteten, und die sie als aktive Mitarbeiter
kannten. Viele gelang es zu verstecken, es wurden ungefähr 30 Personen
versammelt. Sie mussten die Lenin-Statue vom Marktplatz zum Fluss in der Nähe
der Stadt tragen. Auf dem Weg zwangen die polnischen Polizisten die Juden
Hatikwa zu singen, und einer von ihnen, Jaakow Krzybowicz (Grzybowicz?) musste
Ziehharmonika spielen. Am Fluss, bei dem Einwerfen der Statue ins Wasser,
befahl der örtliche Polizist Roman Zakrzewski dem örtlichen Juden Abram
Bonowicz eine Rede zu halten, deren Inhalt er ihm diktierte. (...)" (AZIH,
Berichte 301/386. Bericht von Rachela und Mindl Olszak, maschinengeschriebenes
Manuskript). Auf ziemlich ähnliche Weise beschreibt das Cipa Goldberg (Bericht
Nr. 301/383), sie fügt noch dieses Fragment hinzu: "An einem Tag jagten die
Deutschen Rabbiner Spiewak auf die Straße hinaus, befahlen ihm die Schuhe
auszuziehen und Straßen zu kehren, den Müll in den eigenen Hut zu
sammeln".
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Sehr
ähnlich lief es in Kolno ab: "5. Juli 1941 - die Deutschen und ihre polnische
Mithelfer jagten die ganze jüdische Bevölkerung hinaus und versammelten sie um
das Lenin-Denkmal herum. Die Männer wurden aufgefordert ihre Gebetsschale
umzulegen, zu singen; bei dem Hatikwa-Singen, bei grausamen Schlägen und
Schreien, wurde die Statue von jüdischen Schmieden zerstört. Ihre Stücke
wurden auf Wagen geladen. An die
Wagen wurden Juden in ihren Gebetsschalen eingespannt, die Deutschen stiegen
ein und nahmen die Zügel in die Hände. Die Polen trieben und schlugen (...)
Auf dem Friedhof gruben sie ein Grab, befahlen zu beten, zu singen und bei
großer Freude der Peiniger wurden die Reste der Lenin-Statue begraben". (AZIH,
Bericht 301/1996, Bialystok, 28.11.1946)
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Neben
dem sich wiederholenden Ritual - obwohl mit gewissen Abweichungen - beginnt
die Welle der Grausamkeiten, die dann in der Vernichtung mündet, mit einem
charakteristischen Moment - der Ankunft einer größeren Gruppe der Deutschen.
Am sichtbarsten ist das in den Berichten über Radzilowo, 20 km nördlich von
Jedwabne gelgen. Chana Finkelsztajn notierte in ihrem Bericht (Nr. 301/1284)
vom 22.10.1945: "Am 7. Juli [1941 - T.S.] kamen viele Deutsche"; ein anderer
Bericht von Menachem Finkelsztajn (Nr. 301/1994 vom 28.09.1946)
informiert:
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"Es
ist 3 Uhr nachmittags, 7. Juli 1941; vom Städtchen Stawiski kommen nach
Radzilow 4 deutsche Autos mit Gestapomännern ausgefüllt, mit ihnen eine Person
in polnischer Uniform". In einer anderen Version des Berichtes schrieb
dieselbe Chana Finkelsztajn (Nr. 301/1284), dass "am 7. Juli drei Taxis mit
Deutschen kamen". (Derselbe Zeuge hatte, trotz der Behauptungen von Gross über
die marginale Teilnahme der Deutschen am Verbrechen in Radzilow, im
Gestapoagent Hermann Schaper den "Anführer der ganzen Aktion
wiedererkannt").
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Genauso
lief es auch in Jedwabne ab: die bereits zitierten Personen - Bardon, Jerzy
Laudanski und Szmul Wasersztajn - informieren über die Ankunft der Taxis. Es
gibt aber noch andere Berichte, die nicht von "Taxis" sondern Lastkraftwagen
sprechen. Prälat Tadeusz Klimaszewski, aktueller Pfarrer in Wizna, wurde von
dem nahegelegenen Dorf Slupy in die Stadt geschickt, er sah einen deutschen
Laster auf der Straße, die vonÂ
Jedwabne nach Wizna führte, und damals sprach man über vier
Lastkraftwagen mit Deutschen. (Bericht vom 18.03.2001). Stefan Boczkowski sah
einen offenen Laster neben der Scheune Sleszynskis.
All
das würde zusammen darauf deuten, dass nicht "der Satan nach Jedwabne
herabgestiegen war", wie es Prof. Jan Gross formuliert, sondern dass eher
dorthin das Kommando aus Ciechanow kam, als zum nächsten Ort des Pogroms.
Dieser Fakt wäre eine logische Erklärung für eine Reihe von Massenmorden im
Sommer 1941 in den nördlich von Lomza gelegenen Ortschaften.
Tomasz Strzembosz Rzeczpospolita, 12. Mai 2001
Ins Deutsche übersetzt von Beata Kubas
Prof. Tomasz Strzembosz, Rzeczpospolita, 2001-05-12
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