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Kritische Anmerkungen zu der Darstellung "Nachbarn" von Jan Tomasz Gross Dr. Bogdan Musial |
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Ausblendung und Entstellung des historischen Kontextes
Ein weiteres Kennzeichen der Darstellung von Gross ist die Entkontextualisierung und zugleich Entstellung historischer Ereignisse. Dies bezieht sich sowohl auf die Vorgeschichte (sowjetische Besatzung Ostpolens und ihre Folgen) als auch auf das direkte historische Umfeld des Verbrechens in Jedwabne (die Rolle der Deutschen).
Sowjetische Besatzung Ostpolens und die polnisch-jüdischen Beziehungen 1939-1941:Jedwabne wurde mit der ganzen Region um Łomża und Białystok und den übrigen ostpolnischen Gebieten im September 1939 von der Roten Armee besetzt. Die neuen Machthaber gingen sofort daran, im besetzten Land das sowjetische System gewaltsam zu etablieren. Zu den dabei angewandten Methoden gehörten Verhaftungen, Folter, Massendeportationen, Zwangsumsiedlungen und Massenerschießungen. Die einzelnen Volksgruppen (Polen, Ukrainer, Weißrussen, Juden) waren davon in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Insgesamt verschärften diese Maßnahmen und ihre Folgen die bereits vor dem September 1939 bestehenden Spannungen und schufen zugleich neue Konfliktherde zwischen den Bevölkerungsgruppen. In eine äußerst prekäre Lage geriet dabei die jüdische Bevölkerung. Einerseits wurden ihre Eliten verfolgt und viele Flüchtlinge aus Zentral- und Westpolen nach Sibirien deportiert. Andererseits bot das sowjetische System einem Teil der Juden eine neue Perspektive. Für viele von ihnen, insbesondere die Jugend, brachte die sowjetische Herrschaft sozialen Aufstieg mit sich. Dies weckte bei den anderen Bevölkerungsgruppen Neid und Rachewünsche. Dort assoziierten viele die sowjetische Herrschaft nun mit der sozialen Besserstellung von Juden und ihrer Beteiligung an der Macht. Auf diese Weise erhielten die antijüdischen Ressentiments während der sowjetischen Herrschaft eine neue Dimension. An die Seite der in wirtschaftlichen, religiösen und sozialen Unterschieden und Konflikten wurzelnden traditionellen Vorurteile trat das Bild der Juden als vermeintlicher Nutznießer der Sowjetisierung und Helfershelfer der sowjetischen Besatzer.93Gross schreibt dagegen (S. 40): "Es gibt keinen Grund anzunehmen, daß die Beziehungen zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung [in Jedwabne] während dieser zwanzig Monate [der sowjetischen Besatzung, B.M.] schlechter waren als andernorts [im sowjetisch besetzten Polen, B.M.]." Dabei suggeriert er, diese Beziehungen seien normal, d.h. ähnlich wie vor 1939 gewesen. Allerdings finden sich in den von Gross ausgewerteten Quellen genügend Hinweise, die genau das Gegenteil beweisen. So behauptet Gross (S. 40), dass sich in den Berichten im Hoover Institut94 nur "drei allgemeine Bemerkungen" befinden würden, "die darauf hindeuten, daß diese [Juden] das sowjetische Regime eifrig unterstützten." Eine Überprüfung dieses Bestandes ergab jedoch, dass sich dort nicht drei, sondern mindestens sieben solche Berichte befinden, die die "eifrige" Unterstützung konstatieren. Beispielsweise schrieb Aleksander Kotowski aus Jedwabne: "An die Macht ließ man Juden und polnische Kommunisten, die früher in Gefängnissen gesessen hatten. Sie brachten das NKWD in die Wohnungen und Häuser, sie denunzierten polnische Patrioten."95 Ähnlich hören sich die übrigen Berichte an. Hinzu kommen zwei Berichte zur Lage in Wizna. 96 Aber nicht nur diese Aussagen übersah Gross. In dem von ihm in anderem Kontext angeführten Buch von Michał Gnatowski findet sich folgende Passage: "Der Chef des NKWD in der Stadt Łomża stellte in einer Besprechung, die in Minsk am 20.IX.1940 stattfand, fest: bei uns ist folgende Praxis zur Sitte geworden. Wir wurden von Juden unterstützt und nur sie waren ständig sichtbar. Es herrscht die Mode, dass jeder Leiter einer Institution oder eines Unternehmens damit angibt, dass bei ihm kein Pole mehr beschäftigt ist. Viele von uns hatten vor Polen einfach Angst.'"97 Außer diesen Berichten ignorierte Gross auch andere Quellen und Sekundärliteratur zum Thema, die auf eine Verschärfung der jüdisch-polnischen Beziehungen während der sowjetischen Besatzung hinweisen.98 Der sowjetische Terror in Ostpolen, so auch in Jedwabne und Umgebung, hielt bis unmittelbar vor der Flucht der sowjetischen Truppen vor der vorrückenden Wehrmacht an. In der Region kam es zwar nach dem deutschen Überfall zu keinen Massenerschießungen von Gefängnisinsassen, wie es der Fall in anderen Gebieten Ostpolens war, denn die Zeit war hier zu knapp dafür.99 Allerdings fand hier wie in anderen Gebieten am 19.-20. Juni 1941 eine groß angelegte Deportation statt. Aus den Regionen Łomża und Białystok wurden nach sowjetischen Angaben 22.353 Personen (ganze Familien: Frauen, Kinder, alte Menschen, Männer) deportiert (geplant waren 24.412) und 2.059 Personen verhaftet.100 Auch aus Jedwabne und Wizna (dort mindestens acht Familien) wurden Menschen verschleppt.101 In der bereits zitierten Chronik der Benediktiner-Nonnen aus Łomża steht unter dem 20. Juni 1941: "Ein schrecklicher Tag für die Polen unter sowjetischer Besatzung. Massendeportation nach Russland. Ab dem frühen Morgen ziehen durch die Stadt Wagen mit ganzen polnischen Familien zur Bahnstation. [...]. Weinen, Jammern und Verzweiflung in den polnischen Seelen. Juden und Sowjets dagegen triumphieren. Es läßt sich nicht beschreiben, was die Polen erlebten. Hoffnungslosigkeit. Und Juden und Sowjets freuen sich laut und drohen, dass bald alle Polen deportiert werden."102 Es wäre ahistorisch zu behaupten, die Juden seien für den sowjetischen Terror in Ostpolen verantwortlich bzw. mitverantwortlich, denn auch Juden waren Opfer dieses Terrors. Für diesen Terror waren allein die sowjetischen Machthaber verantwortlich, die sich dabei der Hilfe einheimischer Kollaborateure, so auch jüdischer Herkunft, bedienten. Tragisch für das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden war aber der Umstand, dass viele Nichtjuden die letzte Deportation wie auch den ganzen sowjetischen Terror nicht nur mit den sowjetischen Tätern assoziierten, sondern auch mit echten und angeblichen Mittätern jüdischer Herkunft. Ein polnischer Zeuge aus Jedwabne berichtete im Jahre 1988: "Ich erinnere mich, wie Polen nach Sibirien verschleppt wurden. Auf jedem Wagen saß ein Jude mit Gewehr [vermutlich sowjetische Milizen jüdischer Herkunft, B.M.]. Mütter, Ehefrauen und Kindern fielen auf die Knie vor den Wagen und flehten um Gnade und Hilfe. Der letzte dieser Transporte verließ Jedwabne am 21. Juni 1941."103 Es existieren zahlreiche ähnlich klingende polnische Klagen über das Verhalten von Juden in Jedwabne, und Jedwabne war in dieser Hinsicht keine Ausnahme.104 In Yad Vashem befindet sich ein im Jahre 1966 aufgenommener Bericht von Chaja und Israel Finkelsztejn, die aus Radziłów stammen. Die Schreibkraft, die den Bericht aufnahm, hielt fest: "The communal worker [die Berichterstatterin, B.M.] observed how the hatred of the Poles grew against the Jewish activists of the new regime [1939-41]. She felt in advance that revenge would at some time be taken against all Jews."105 Dov Levin stellt fest: "Labeling of the Soviet administration as a 'Jewish regime' became widespread when Jewish militiamen helped NKVD agents send local Poles into exile."106 Yitzhak Arad schreibt: During the night of June 14, 1941, the town [Swieciany, heute Litauen] was shocked when NKVD and militia members took hundreds of people from their houses and placed them under arrest. Most of those arrested had been officials of the Polish government, landowners, officers in the Polish army - men who had been wealthy or active in political parties (excluding the Communist party). That night similar raids took place throughout Lithuania; close to 30.000 people, entire families among them, were arrested and deported to Siberia and Kazakhstan. Among those were 5, - to 6.000 Jews [...] But the expulsions also brought about increased antisemitism, because although there were thousands of Jews among the exiles, Jews played a relatively large role in the Communist party apparatus that was behind the action. In this situation, with overall fear of further expulsions and rising hatred of both the Soviet regime and the Jews, the German army invaded the Soviet Union.107 Michel Mielnicki aus Wasilkow in der Nähe von Białystok (geboren im Jahre 1927), der heute in Kanada lebt, berichtet, wie sein Vater Chaim Mielnicki mit den Sowjets kollaborierte: I do remember, however, the NKVD commissars from Moscow, who would most often arrive at our house after dark, sitting in the living room, smoking one cigarette after another until they could barely see each other through the haze, talking in low voices with Father, as they went over their lists of suspected fifth columnists (so-called Volksdeutscher Poles), Polish fascists, ultranationalists, and other local 'traitors' and 'counter-revolutionaries.' It was my understanding that he served as advisor to the NKVD about who among the local Poles was to be sent to Siberia, or otherwise dealt with. [...] My mother was terribly upset by my father's collaboration with the Russian secret service. [...] I remember her begging him not to get involved. He disagreed. 'We have to get rid of the fascist,' he told her. 'They deserve to go to Siberia. They are not good for the Jewish people.'[...] Naturally, word of Father's clandestine activities got out. [...] Because I was Chaim Mielnicki's son, I found myself the target of Polish bullets when I returned to Bialystok after the War. That's how much they came to hate him.108 Diese Zusammenarbeit eines relativ kleinen Teils der jüdischen Bevölkerung, die allerdings sehr aktiv und sichtbar war, führte dazu, dass bei vielen Nichtjuden die bestehenden antijüdischen Emotionen verstärkt wurden bzw. neu entstanden. Gross läßt in seiner Darstellung diese Ereignisse und die Wahrnehmungsmechanismen außer Acht, die dazu führten, dass viele Nichtjuden glaubten, Juden seien Mitschuld an dem sowjetischen Terror. Diese Faktoren beeinflußten entscheidend die damals herrschende Stimmung.109 Diese Vernachlässigung des historischen Kontextes läßt sich mit der Unkenntnis von Quellen und Literatur nicht erklären, denn Gross selbst schrieb noch im Jahre 1983: "Der Antisemitismus wuchs während der bolschewistischen Besatzung [in Ostpolen] sehr stark an, davon hat man sich bald überzeugt, und zwar in den ersten Tagen des deutsch-sowjetischen Krieges im Sommer 1941." Für die Ursache des anwachsenden Antisemitismus hielt Gross damals die "jüdische Kollaboration" mit sowjetischen Machthabern.110
Die Rolle der Deutschen:Nicht minder selektiv und widersprüchlich geht Gross bei der Schilderung der Vernichtungsaktion in Jedwabne vor. So behauptet er (S. 62): "Was jedoch die direkte Beteiligung der Deutschen an der massenhaften Ermordung der Juden in Jedwabne am 10. Juli betrifft, so muß man feststellen, daß sie sich, soweit es die vorhandenen Quellen belegen, praktisch darauf beschränkte, daß sie Bilder machten." Allerdings schon die von Gross ausgewerteten Prozeßunterlagen widerlegen diese Behauptung. Hierbei handelt es sich vor allem um die Aussagen, die von Gross als glaubwürdig eingestuft wurden, obwohl sie vor dem Gericht mit dem Hinweis auf Misshandlungen widerrufen wurden. Hier einige Beispiele: Stanisław Zejer: "Zusammen mit mir nahmen am Zusammentreiben von Juden aufgrund des Befehls von Bürgermeister und Gestapo folgende Personen teil: [...]."111 Stanisław Dąbrowski: "Meine Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass die [auf dem Markt zusammengetriebenen] Juden die Linie nicht überschritten. Einen solchen Befehl bekam ich von Karolak, Sobuta und einem Deutschen."112 Feliks Tarnacki: "An diesem Tag, an dem die Razzia auf die jüdische Bevölkerung stattfand, kamen zu mir Bürgermeister Marian Karolak, der Sekretär im Magistrat Wasilewski, den Vornamen weiß ich nicht, zusammen mit einem Gestapobeamten und trieben mich auf den Markt. [...]."113 Roman Górski: "An diesem Tag kam ich um 12 Uhr nach Hause [...]. Um diese Zeit kam zu mir nach Hause Marian Karolak, der Bürgermeister war, und ein deutscher Gendarm, der mich getreten hat. Sie nahmen mich mit auf den Markt." Dort habe er von ihnen Befehl bekommen, die zusammengetriebenen Juden zusammen mit anderen zu bewachen.114 Władysław Minciura: "Im Juli 1941 [...] kamen in mehreren PKWs Gestapomänner und organisierten eine Razzia gegen die Juden. [...] Zu mir kam ein Gendarm und befahl mir, auf den Markt zu gehen, und die Juden zu bewachen. [...] [Später] haben sie mir befohlen, die Juden zur Scheune zu treiben, was ich auch getan habe. Ich war dort bis zum Zeitpunkt, als die Scheune mit den Juden angezündet wurde."115 Bolesław Ramotowski: "Ich gestehe, dass ich im Jahre 1941 in Jedwabne [...] aufgrund des Befehls des Bürgermeisters und der deutschen Gendarmerie daran teilnahm, die auf dem Markt zusammengetriebenen Juden zu bewachen."116 In der Anklageschrift, die auf der Grundlage der zumindest teilweise erpressten Geständnisse verfaßt wurde, steht u.a.: "Alle Verdächtigten rechtfertigen ihre Taten damit, dass sie auf Befehl der deutschen Besatzer handelten."117 Noch dezidierter findet sich dies in der Urteilsbegründung: "Die lokale Bevölkerung, darunter auch die Angeklagten, nahmen an dem Verbrechen unter dem [deutschen, B.M.] Terror teil, wie das aus allen Aussagen der Angeklagten hervorgeht, gleichgültig wo sie gemacht wurden, und aus den Zeugenaussagen der Anklage und der Beweisführung."118 Es gehört zum wissenschaftlichen Handwerk, Dokumente, Zeugnisse, Berichte, Aussagen, Feststellung usw. quellenkritisch zu analysieren. Falls es genügend Anhaltspunkte und Beweise dafür gibt, sie als unglaubwürdig einzustufen, werden sie nicht berücksichtigt. Solche Quellen und vor allem ihren Inhalt auszublenden, weil sie die vorgefaßten Thesen des Autors widerlegen, ist dagegen unzulässig. Im Staatsarchiv Łomża befinden sich viele vereidigte Zeugenaussagen, die sogar auf die alleinige Täterschaft der Deutschen hindeuten. Sie wurden in den Jahren 1947-1949 am Kreisgericht Łomża aufgenommen und dienten als Beweise bei den Anträgen auf Todeserklärungen für die Holocaustopfer. Diese Anträge wurden von den Überlebenden gestellt, um Erbangelegenheiten zu regeln. Hier einige Beispiele: Helena Chrzanowska: "Mein Großvater, Abram Kruk, [...] wurde am 10. Juli 1941 von den Deutschen durch Verbrennung in einer Scheune ermordet."119 Jankiel Bein, "46 Jahre alt, mosaischen Glaubens, sagte aus: Ich wohnte ständig in Jedwabne. Am 10. Juli 1941 sah ich, wie Deutsche alle Juden aus Jedwabne in eine Scheune getrieben und sie angezündet haben. [...] Zu diesem Zeitpunkt hielt ich mich auf dem Friedhof versteckt und konnte alles sehen."120 Der Zeuge Zelik Lewinski sagte am 30. Juni 1949 aus: "Ich war mit dem Vater des Antragstellers in der Gruppe, die zur Scheune getrieben wurde. Jedoch gelang es mir, zu entkommen und mich hinter der Friedhofsmauer in der Nähe der Scheune zu verstecken. Ich stelle entschieden fest, dass ich mit eigenen Augen gesehen habe, wie Deutsche Zelik Zdrojewicz in die Scheune getrieben, die Scheune angezündet und alle dort zusammengetriebenen Juden verbrannt haben."121 Insgesamt gibt es mindestens 28 solche Aussagen, die von 19 Zeugen, davon 9 jüdischer Herkunft, am Kreisgericht Łomża in den Jahren 1947-49 aufgenommen wurden und in denen auf den Mord in Jedwabne Bezug genommen wird. Von den 19 Zeugen bezeichneten sich 9 als Augenzeugen des Verbrechens, 5 von ihnen waren jüdischer Herkunft.122 In diesen Aussagen wird von Deutschen als Tätern gesprochen. Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit diese immerhin vereidigten Aussagen glaubwürdig sind. Es ist sicher, dass man diese Zeugnisse mit besonderer quellenkritischer Vorsicht begegnen muss. Denn den Antragstellern ging es nicht darum, die Täter und die genauen Todesumstände der Angehörigen festzustellen, sondern eine Todeserklärungsurkunde schnell ausgestellt zu bekommen. Es ist zu vermuten, dass dabei Gefälligkeiten geleistet wurden. Eljasz Grądowski beispielsweise sagte mehrmals aus, wobei seine Angaben zu seinem Aufenthalt zum Zeitpunkt des Verbrechens differierten, einmal war es Russland, ein anderes Mal die Gegend um Jedwabne.123 Es kann man auch nicht ausschließen, dass es sich bei einigen dieser Fälle um die oben erwähnten Machenschaften handelte, um das Eigentum der ermordeten Holocaustopfer zu erschleichen. Ferner boten die Deutschen als Täter ziemliche Gewissheit, dass das Gericht keine zusätzlichen Fragen nach den genauen Todesumständen stellen würde, um die Prozedur zu beschleunigen. In der Begründung für die Todeserklärung von Bluma Grondowska, die Mutter von Eljasz Grądowski heißt es: "Auf der Grundlage von Zeugenaussagen wurde festgestellt, dass am 10. Juli 1941 Deutsche alle Juden - darunter auch Bluma Grondowska - aus dem Städtchen Jedwabne in eine Scheune getrieben und verbrannt haben. Die Zeugen haben diesen Mord mit eigenen Augen gesehen. Das Gericht stellt darüber hinaus fest, dass die Tatsache der Verbrennung der jüdischen Bevölkerung aus Jedwabne in einer Scheune allgemein bekannt ist. Aus diesem Grund gibt es keine Zweifel, dass Bluma Grondowska verbrannt wurde."124 Es ist sicher, dass polnische Bewohner von Jedwabne an dem Mord vom 10. Juli 1941 aktiv teilnahmen. Ihre Zahl dürfte sich auf mehrere Dutzend Personen belaufen.125 Es darf auch angenommen werden, dass sich ein Teil von ihnen daran bereitwillig beteiligte, wobei es zu Exzessen gekommen sein dürfte. Es gibt aber auch Hinweise in den von Gross als glaubwürdig eingestuften Aussagen, dass die deutsche Seite Zwang anwandte, um die Teilnahme polnischer Bewohner zu veranlassen. Darüber hinaus gab es auch polnische Hilfe für die Verfolgten. Józef Grądowski sagte aus: "Dank der Hilfe eines Menschen, gelang es mir [am 10. Juli 1941] aus den deutschen Händen zu entkommen."126 Die Zahl von mindestens 100 geretteten Juden aus der Vernichtungsaktion spricht dafür, dass es zu solchen Hilfeleistungen öfter gekommen sein dürfte. Es gibt ausreichend Hinweise in den von Gross ausgewerteten Quellen dafür, dass die Vernichtungsaktion in Jedwabne von Deutschen geplant, organisiert und unter Beteiligung von Polen durchgeführt wurde. Für diese These sprechen außer den von Gross ausgeblendeten Dokumenten weitere Quellen, die teilweise längst bekannt sind.127 Dazu gehört der Befehl von Reinhard Heydrich, dem Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, an alle Einsatzgruppen vom 1. Juli 1941: Befehl Nr. 2: Die in den neu besetzten, insbesondere ehemals polnischen Gebieten wohnhaften Polen werden sich auf Grund ihrer Erfahrung sowohl antikommunistisch als auch antijüdisch zeigen. Es ist selbstverständlich, dass die Reinigungsaktionen sich primär auf die Bolschewisten und Juden zu erstrecken haben. Hinsichtlich der polnischen Intelligenz usw. kann, wenn nicht im Einzelfall wegen Gefahr im Verzuge sofort Maßnahmen unbedingt geboten sind, später das Wort gesprochen werden. Es ist daher selbstverständlich, dass in die Reinigungsaktionen primär nicht derart eingestellte Polen einbezogen werden brauchen, zumal sie als Initiativelement (allerdings nach den örtlich bedingten Verhältnissen entsprechend begrenzt) sowohl für Pogrome als auch Auskunftspersonen von besonderer Wichtigkeit sind. Diese einzuschlagende Taktik gilt selbstverständlich auch für alle ähnlich gelagerte Fälle.128 Die Einsatzkommandos der Einsatzgruppe B, in deren Wirkungsbereich Łomża und Jedwabne fielen, befanden sich allerdings am 10. Juli 1941 in der Region um Minsk, wie Gross korrekt feststellt (S. 28). Diesen Umstand deutet er als einen weiteren Beweis dafür, dass der Massenmord in Jedwabne eine lokale Initiative der polnischen Bewohner sein mußte, weil es in der Gegend keine Einsatzkommandos gegeben habe. Dies ist aber eine weitere Fehldeutung von Gross, denn zu diesem Zeitpunkt wirkten im Region um Łomża und Białystok besondere Einsatzkommandos, wie Ermittlungen der Ludwigsburger Zentralstelle in den sechziger Jahren ergaben. Diese Kommandos wurden nach dem 22. Juni 1941 gebildet, um die Gebiete um Białystok und Łomża zu "säubern". Eines dieser Kommandos, von der Stapostelle Zichenau-Schröttersburg wirkte "in der Hauptsache im Kreis Łomża."129 Als mutmaßlicher Führer des Einsatzkommandos der Stapostelle Zichenau-Schröttersburg wurde Hermann Schaper ermittelt. Dem Kommando wurden u.a. folgende Verbrechen zur Last gelegt: Erschießungen von Juden in Tykocin vom Anfang August (etwa 30 km von Jedwabne), Judenmord in Radziłów durch Verbrennung in einer Scheune am 7. Juli 1941 (15 km von Jedwabne entfernt), Judenerschießung in Rutki am 4. September 1941 (etwa 20 km von Jedwabne entfernt), Judenerschießungen in Zambrów im Sommer 1941 (etwa 35 km von Jedwabne entfernt), Judenerschießungen in Łomża im August 1941 (18 km von Jedwabne entfernt), "Judenliquidierungen" in Jedwabne am 10. Juli 1941 und in Wizna Ende Juni 1941. Hermann Schaper wurde von jüdischen Zeugen als Leiter der Aktionen in Tykocin und Radziłów, wo Juden drei Tage früher als in Jedwabne ebenfalls in einer Scheune verbrannt wurden, wiedererkannt und von der Zentralen Stelle ermittelt. Er lebte nach 1945 unter falschem Namen, 1953 nahm er seinen richtigen Namen wieder an. Die Beweise der Zentralen Stelle reichten aber nicht aus, (nur wenige Zeugenaussagen und Indizien), um ein Verfahren gegen Schaper, der alles abstritt, einzuleiten.130 Gross hat in deutschen Archiven nicht recherchiert, auf Seite 160 Anm. 9 schreibt er, daß die von ihm befragten David Engel und Christopher Browning den Namen der Stadt Jedwabne nicht kannten, was er offenkundig für ausreichend hält. Allerdings hätte eine einfache Anfrage bei der Zentralen Stelle in Ludwigsburg ergeben, dass Jedwabne als Ort, wo Juden ermordet wurden, sehr wohl registriert ist, und dass sogar Vorermittlungen dazu geführt worden sind. Aus der Lektüre der Ereignismeldungen, die auch sowohl in den USA im Holocaust Memorial Museum in Washington wie in Warschau (Archiv Neuer Akten) in Kopie zugänglich sind, hätte er dagegen entnehmen können, dass in der Gegend um Białystok im Juli 1941 besondere Einsatzkommandos aktiv waren. Die Ermittlungsergebnisse der Zentralen Stelle sind kein zwingender Beweis für die deutsche Täterschaft in Jedwabne. Sie zeigen aber, dass im Raum Łomża im Sommer 1941 besondere Einsatzkommandos aktiv waren, die Massaker an Juden durchführten. In den von Gross ausgewerteten Quellen finden sich allerdings zahlreiche Angaben, die auf die Ankunft eines solchen Kommandos in Jedwabne hinweisen, wie z.B. im Wassersztajn-Bericht (S. 24): "Am Morgen des 10. Juli 1941 kamen acht Gestapoleute ins Städtchen." Ähnlich Jerzy Laudański in der von Gross als glaubwürdig eingestuften Aussage: "[am 10. Juli 1941] kamen in einem PKW vier oder fünf Gestapomänner [in Jedwabne] an [...]"131; oder Władysław Minciura: "Im Juli 1941, an genaues Datum erinnere ich mich nicht, kamen ein paar PKWs mit Gestapomänner nach Jedwabne, die eine Razzia gegen die Juden durchgeführt haben."132 Auch Gross schreibt (S. 60): "Der Besuch der Gestapoleute in Jedwabne wird von vielen Quellen bestätigt." Um eine solche Vernichtungsaktion wie in Jedwabne durchzuführen, genügte ein mobiles Einsatzkommando mit wenigen Angehörigen. Ihnen standen deutsche Gendarmerie - nach Gross elf Männer (S. 61) - und polnische Hilfspolizisten zur Verfügung.133 Dieses Kommando hatte entsprechende Anweisungen (Heydrich-Befehl) und konnte die bestehenden antisemitischen Ressentiments von Nichtjuden ? u.a. Folge der sowjetischen Besatzung - für ihre Zwecke instrumentalisieren. Ferner konnten sie Befehle an die polnischen und jüdischen Bewohner erteilen, was sie offenkundig auch taten. Diese Kräfte reichten vollkommen aus, um die mehrere hundert Juden aus Jedwabne zusammenzutreiben und zu ermorden, indem man sie verbrannte. Von Vernichtungsaktionen wie in Jedwabne oder etwa in Radziłów sind Pogrome zu unterscheiden, zu denen es nach dem Einmarsch der deutschen Truppen beispielsweise in der heutigen Westukraine kam. Sie ereigneten sich direkt nach dem Abzug der sowjetischen Truppen in einer komplexen Gemengelage, in der die Entdeckung der von NKWD ermordeten Gefängnisinsassen, vielfach eine wichtige, wenn nicht entscheidende Rolle spielte.134 Die Massaker in Jedwabne und Radziłów fanden dagegen zwei Wochen nach dem Einmarsch der deutschen Truppen statt und wurden offenkundig von Deutschen organisiert, gesteuert und unter direkter polnischer Beteiligung durchgeführt. Davor kam es jedoch in Jedwabne und Umgebung zu Gewaltausbrüchen, die einen "spontanen" Rachecharakter hatten. Kurz nach der Flucht der Sowjets begann die Jagd auf echte und vermeintliche sowjetische Kollaborateure oder ihre Angehörige, Juden aber auch Polen, wie selbst Gross schreibt (S. 47-48). Diese Gewalt hatte eindeutig einen antisowjetischen Hintergrund. Zu ähnlichen Ausschreitungen kam es auch in den übrigen im Sommer 1941 von Deutschen besetzten Gebieten.135 Das Ziel des vorliegenden Beitrages war allerdings nicht die Rekonstruktion der Geschehnisse in Jedwabne um den und am 10. Juli 1941, dies muß der künftigen Forschung überlassen werden. SchlußbetrachtungWie gezeigt, strotzt das Bändchen "Nachbarn" vor Ungereimtheiten, Fehlinterpretationen, ahistorischen Spekulationen und falschen Behauptungen. Hinzu kommen Anschuldigungen gegenüber konkreten Personen, die Gross auf Grundlage von ungeprüften oder nachweislich falschen und sogar offenkundig von ihm selbst konstruierten Beweisen stellt. Die hier angeführten Beispiele sind nur eine Auswahl, denn dies würde ansonsten den Rahmen dieses Beitrages sprengen.136 Es ist jedoch ungewöhnlich, dass in einem Büchlein von diesem Umfang, dem der Autor und nicht wenige namhafte Wissenschaftler einen wissenschaftlichen Anspruch attestieren, nach einer lediglich stichprobenartigen Analyse so viele schwerwiegende Mängel und Fehler gefunden worden sind. 137 Sie disqualifizieren die Darstellung und den "affirmativen" Ansatz von Gross. Das Bändchen "Nachbarn" ist ein Lehrstück und zugleich ein Produkt der heute vorherrschenden Tendenz, die Geschichte des Holocaust zu entkontextualisieren - der Mord an Juden wird aus seinem historischen Umfeld herausgerissen und der Zweite Weltkrieg auf den Holocaust reduziert - und zu mystifizieren - der Holocaust sei ein Geschehen, das sich einer rationalen Erklärung entziehe. Die beiden Elemente bedingen sich einander, denn: Wenn der historische Kontext fehlt, bleiben bestimmte Ereignisse unerklärbar. Hinzu kommt die mangelhafte "Qualitätskontrolle" in der Holocaustforschung, die beispielsweise Raul Hilberg beklagt.138 Die Darstellung "Nachbarn" ist auch ein Musterbeispiel dafür, wie durch selektive und manipulative Auswertung von Quellen vorgefaßte Meinungen bestätigt und geschichtliche Ereignisse verfälscht werden. Dass Gross noch vor den Recherchen zu seiner Darstellung voreingenommen war, geht bereits aus seinen eigenen Äußerungen hervor. So erklärte er in einem Interview: "I read the testimony of Szmul Wasersztejn, a witness to the Jedwabne pogrom [...] several years ago. [...] For me the moment of realization that Wasersztejn had to be taken literally came when I saw, by coincidence, raw footage for a documentary on Polish-Jewish relations that a filmmaker, Agnieszka Arnold, was working on. [...] When I saw this woman on the television screen saying something to the effect of 'They took the keys to the barn from my father. What could he do?' I had an epiphany. I realized instantly that this all had happened.."[Herv. B.M.].139 Ähnlich äußert er sich in seinem Buch (S. 26-27.): "Nachdem ich in den Archiven des JHI [des Jüdischen Historischen Instituts] auf Wasersztajns Zeugenaussage gestoßen war, brauchte ich auch ungefähr so lange [etwa vier Jahre, B.M.], bis mir aufging, was er gesagt hat." Gross begriff, dass "man Wasersztajn wörtlich nehmen" müsse, nachdem er "die Rohfassung des Dokumentarfilms 'Wo ist mein älterer Bruder Kain?? von Agnieszka Arnold sah, in dem die Autorin unter anderem mit der Tochter von Bronisław Szleziński spricht." Im Klartext: Jan Tomasz Gross kam zu der Überzeugung, dass der Wasersztajn Bericht wortwörtlich genommen werden müsse, bevor er überhaupt angefangen hatte, zu recherchieren. Nachdem Gross den historischen Kontext ausgeblendet und entstellt hat, in dem das Verbrechen begangen wurde, glaubt er keine rationale Antwort für die antijüdische Gewalt in Jedwabne finden zu können. Auf Seite 20-21 schreibt er: "Im Unterschied zu historischen Untersuchungen über andere Themen halte ich es nämlich nicht für möglich, hier zu einem Abschluß zu kommen. Der Leser wird am Ende der Lektüre also nicht den Eindruck haben, dass sein Wissendurst gestillt wurde; mir erging es jedenfalls nicht so, als ich mit dem Schreiben fertig war. Als ich zur letzten Seite kam, konnte ich mir nicht sagen: 'Jetzt habe ich es verstanden?, und meine Leser werden es wohl auch nicht sagen können." In einem Interview gab er aber auf diesbezügliche Frage folgende Erklärung: "Der Teufel ist [in Jedwabne] auf die Erde herabgestiegen. Das passiert hin und wieder. Es sei denn, Sie kennen eine andere Antwort."140 Auch in polnischer Version seine Darstellung schreibt Gross (S. 83) vom "bösen Geist, der das in [polnischen, B.M.] Menschen schlummernden Ungeheuer" geweckt und ins Leben gerufen habe. Zugleich behauptet er, dass sich auf dem polnischen Dorf die Bereitschaft, das Fremde, in erster Linie die Juden, zu vernichten, seit Jahrhunderten erhalten habe. Diese Argumentation ähnelt der von Goldhagen über den "eliminatorischen" Antisemitismus der Deutschen.141 Die Thesen von Goldhagen werden in Fachkreisen nicht ernst genommen, obwohl sie als ein Markstein in der Holocaustforschung angekündigt wurden. Ähnlich klingen die Ankündigungen von Gross "Nachbarn". Im Klappentext zur englischen Ausgabe heißt es: "It is the most important study of Polish-Jewish relations to be published in decades and should become a classic of Holocaust literature. [...] Gross's new and persuasive answers to vexed questions rewrite the history of twentieth-century." Gross berücksichtigte bei seinen Recherchen nur die Quellen, die seine vorgefaßten Thesen und Schlußfolgerungen bestätigen, die übrigen blendete er aus oder erklärte sie für unglaubwürdig, ohne eine wissenschaftlich angemessene Quellenkritik vorgenommen zu haben. Jüdische Zeugnisse, einschlägige Arbeiten jüdischer Autoren und sogar die eigenen, die seinen Thesen widersprechen, läßt er grundsätzlich unerwähnt. Die Zeugnisse jüdischer Überlebender, die seinen Thesen widersprechen, muss Gross sogar ignorieren, denn ihre quellenkritische Analyse würde den von ihm propagierten "affirmativen" Ansatz gegenüber Zeugnissen jüdischer Überlebenden zuwiderlaufen. Es kommt ja oft vor, dass eine solche Aussage der anderen widerspricht, wie beispielsweise die von Józef und Eljasz Grądowski oder etwa Szmul Wasersztajn und Rivka Fogel. Angesichts dessen ist es kaum verwunderlich, dass Gross eine sachliche Diskussion über seine Thesen und Erkenntnisse konsequent meidet. Seine Methode im Umgang mit Kritik besteht darin, die Kritiker und ihre Kritikpunkte entweder zu ignorieren oder zu diffamieren.142 Gross bezeichnet seine Kritiker pauschal als nationalistische "Hurrapatrioten". Diejenigen dagegen, die seinen Thesen uneingeschränkt folgen, lobt er als Menschen, die mit "kristallklarer Stimme" sprechen würden.143 Eine solide wissenschaftliche Fallstudie über den Mord in Jedwabne wäre höchst willkommen gewesen. Das Buch "Nachbarn" ist aber ein Musterbeispiel für zurechtbiegende Nutzung der Archivquellen, Ausblendung und Entstellung des historischen Kontextes sowie Mystifizierung historischer Ereignisse. Die Auseinandersetzung um diese Darstellung verwandelte die ab Anfang neunziger Jahre im Gang befindliche Debatte in Polen144 in eine überaus emotional geführte Kontroverse, die Parallelen zur Goldhagen-Debattte und insbesondere zum Konflikt um die alte Wehrmachtsausstellung aufweist. In der Tat sind Ähnlichkeiten des Debattenverlaufs verblüffend: Politisierung, Feuilletonisierung, Moralisierung, parareligiöse Rituale, emphatische Bekenntnisse von Schuld, Reue und Sühne, Mystifizierung historischer Ereignisse, Polarisierung der öffentlichen Meinung (in erbitterte Gegner und übereifrige Anhänger), hohe emotionale Mobilisierung, ein Klima von Verdächtigungen und Anfeindungen. 145 Dies alles steht im umgekehrten Verhältnis zur wissenschaftlichen Qualität der Werke, die diese Diskussion auslösten.146
Rezeption der Thesen von Gross in DeutschlandAußerhalb Polens, wo einschlägige Kenntnisse des historischen Kontextes weitgehend fehlen, werden Gross' ahistorische Spekulationen und Manipulationen ohne größeren Widerspruch als gesicherte Forschungsergebnisse akzeptiert. So wurde Jan Tomasz Gross mit Gustav Droysen verglichen, dem "die Kritik und Interpretation historischer Quellen ihre besten Grundlagen (verdankt)."147 Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die Rezeption der Thesen von Gross in Deutschland. Seit Anfang 2001 ist Jedwabne ein beliebtes Thema in deutschen Medien. Eine Publizistin schrieb vom "beispiellosen Eifer" der deutschen Medien in dieser Hinsicht.148 Ein anderer Publizist konstatierte im Dezember 2001: "Seit Entstehung der 'Solidarno?' [im Jahre 1980] wurde in Deutschland über kein anderes Ereignis in Polen so intensiv berichtet [wie über die Jedwabne-Debatte]: In letzten Monaten gab es eine Flut von Publikationen in deutschen Medien, die dem Pogrom in Jedwabne und der polnischer Debatte um das Buch von Jan Tomasz Gross gewidmet waren."149 Die deutsche Übersetzung von "Nachbarn" erschien im September 2001. Das Vorwort für die deutsche Ausgabe schrieb Adam Michnik, Chefredakteur der größten und einflußreichsten Tageszeitung in Polen "Gazeta Wyborcza". Michnik stellte Jan Tomasz Gross (S. 11) "in eine Reihe mit Karl Jaspers, der über die deutsche Schuld schrieb, mit Thomas Mann und Günter Grass, die mit ungewöhnlicher Entschlossenheit die geheimen Winkel jener deutschen Geisteshaltung ausleuchteten, die zum Nazismus führte; er stellt ihn [Gross? Mut] in eine Reihe mit Hannah Arendt, die mit 'Eichmann in Jerusalem? bei der jüdischen Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten und Israel Empörung auslöste. [...] Mit seinem Buch schreibt sich Gross in eine lange, von Mickiewicz und Słowacki bis zu Gombrowicz und Miłosz reichende Reihe glänzender polnischer Intellektueller ein, die den Mut hatten, die in weiten Teilen der polnischen Nationalkultur herrschende Verlogenheit und Oberflächlichkeit aufzudecken." Bemerkenswert ist es, dass Gross in Deutschland Zuspruch sowohl von den sogenannten "Rechten" wie auch von Teilen der "Linken" bekommt. Es ist nachvollziehbar, dass die "Rechten" Gross als denjenigen feiern, der die nächste "antideutsche Lüge" entlarvt habe.150 Aber auch auf der linken Seite scheinen die Befürworter von Gross zu dominieren: Sie begrüßen, so ihre offizielle Argumentation, dass Gross den "Opfermythos" der Polen zerstört habe151; sie sind offensichtlich überzeugt, dass die Polen eigene Vergangenheit nach deutschem Vorbild zu bewältigen haben.152 Angesichts dieses für deutsche Verhältnisse ungewöhnlichen Konsens riskieren in Deutschland diejenigen, die Gross kritisieren, nicht nur von den "Rechten", sondern auch von Teilen der "Linken" angegriffen zu werden, wie beispielsweise Thomas Urban, Polen-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Urban, der im offensichtlichen Gegensatz zu seinen deutschen Kolleginnen und Kollegen selbst Akten studiert und weitere Recherchen angestellt hatte, versuchte in einem Artikel, der am 1. September 2001 in der Süddeutschen Zeitung und in polnischer Übersetzung in Rzeczpospolita erschien, grundlegende Fehler in der Darstellung von Gross nachzuweisen. Er argumentierte, dass das von Hermann Schaper geführte SS-Einsatzkommando (siehe oben) die Ermordung der Juden von Jedwabne geplant und initiiert habe, dass Gross somit die deutsche Schuld mindere, wobei er die "polnische" Beteiligung an dem Verbrechen nicht in Frage stellte. Der Artikel löste eine innerdeutsche Kontroverse über Jedwabne aus, die jedoch die Debatte über die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den Hintergrund schob. Wegen seiner Thesen wurde Urban zeitgleich in der Zeit und der Tageszeitung (am 20. September 2001) scharf angegriffen. In beiden Blättern warf man ihm (in der Tageszeitung in besonders scharfem Ton) vor, er sabotiere die nationale Selbstaufklärung über den polnischen Antisemitismus. Ob dieser scharfen Attacken wunderte sich ein Publizist in der Frankfurter Rundschau: "Man fragt sich [...], warum gerade die politische Linke denjenigen angreift, der Gross vorhält, im Fall Jedwabne die Schuld der Deutschen zu verkleinern?"153 Kritische Beobachter konstatieren auch antipolnische Töne, welche die deutsche Diskussion über Jedwabne begleiten würden. Beispielhaft dafür sei die Berichterstattung im Spiegel vom 17. Juli 2001. Joachim Trenkner schreibt dazu: "Die Berichterstattung des Spiegel- Magazins über Jedwabne war geradezu reich an beleidigenden Anmerkungen gegenüber Polen". Trenkner stellte bei den Spiegel-Autoren kaum zu überbietenden Zynismus fest, um fortzufahren: "Als ob diese Beleidigungen nicht genug wären, beschimpfte einer der Spiegel-Autoren, Henryk Broder, auf seiner Homepage (www.henryk-broder.de) die Polen, die ihn wegen dieses Artikels kritisiert hatten. Das ist ein Zitat aus der Internet-Tirade von Broder: 'Die polnische Kultur genießt im Westen einen guten Ruf. Das kommt vor allem daher, dass nur wenige Menschen außerhalb Polens polnisch sprechen und deswegen vieles nicht mitbekommen. Schaut und hört man genauer hin, muss man feststellen: Die polnische Kultur beruht im Wesentlichen auf Antisemitismus und Alkoholismus. Das sind sozusagen die tragenden Elemente, die Säulen der polnischen Kultur.'"154 Trenkner versucht eine Antwort auf die Frage, warum sich die Deutschen so intensiv für den Fall Jedwabne interessieren: "Geht es um die von Gross beschriebenen Greuel, um die Brutalität des Pogroms in Jedwabne? Oder wollen sich die Deutschen vielleicht von der exklusiven Schuld befreien? Als ob die Deutschen 60 Jahre nach dem Krieg in Polen Mitschuldige an einem Verbrechen [dem Holocaust] gefunden hätten. [...]. Oder vielleicht behandelt man im vereinigten Deutschland, in der "Berliner Republik", in der die Generation jüngerer Politiker und Journalisten dominiert, die Geschichte des 20. Jahrhundert ohne solche Selbstbeschränkungen? Ein Körnchen Wahrheit steckt wohl in jeder dieser drei Möglichkeiten."155 Jedwabne ist in Deutschland zum Synonym der angeblich nicht bewältigten Vergangenheit in Polen, des polnischen Antisemitismus und der nächsten "antideutschen Lüge" geworden. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die kommunistischen Machthaber die polnische Geschichte nach 1945 jahrzehntelang systematisch gefälscht haben, um so ihre Macht zu legitimieren und zu festigen. Davon wurde auch die Geschichte der Juden und der polnisch-jüdischen Beziehungen betroffen. In Polen ist zunächst nötig, die historischen Ereignisse zu rekonstruieren, die "Erinnerung wiederherzustellen".156 Bogdan Musial 93 Vgl. dazu. Musial Konterrevolutionäre Elemente S. 31-81. 94 Es handelt sich um Berichte über die Lage in den sowjetisch besetzten Gebieten Polens, die von ehemaligen polnischen Deportierten in den Jahren 1942-43 aufgenommen wurden, nachdem sie die Sowjetunion mit der Anders-Armee verlassen hatten und im Westen angekommen waren. 95 Hoover Institut, Poland. Ministerstwo Informacji i Dokumentacji. Powiat Łomża (Reports of polish Deportees) Nr. 2675. 96 Marian Łojewski (ebenda, Nr. 8455), Józef Rybicki (Nr. 8356), Tadeusz Kielczewski beide aus Jedwabne (Nr. 1078), Tadeusz Wądołowski, Dorf Bronik, Gemeinde Jedwabne (Nr. 8493), Antoni Śledziewski, Dorf Makowskie, Gemeinde Jedwabne (Nr.9990), Korporal Antoni B. aus dem Dorf Witynie, Gemeinde Jedwabne, in: Zitiert nach Jan Tomasz Gross, Irena Grudzińska-Gross (Hrsg.) "W Czterdziestym nas matko na Sybir zesłali ..." Polska a Rosja, London 1983 S. 332. Berichte aus Wizna: Tadeusz Nietkiewicz (Nr. 1932), Józefa Dobrański (Nr. 3377). 97 Gnatowski W radzieckich okowach S. 159-160. 98 wie z.B. die Monographien von Ben-Cion Pinchuk Shtetl Jews under Soviet Rule. Eastern Poland on the Eve of the Holocaust, Oxford 1990 oder die von Dov Levin The Lesser of the Two Evils. Eastern European Jewery under Soviet Rule, 1939-1941, Philadelphia/Jerusalem 1995. 99 Vgl. dazu. Musial Konterrevolutionäre Elemente S. 98-171, hier S. 99 (Gefängnis in Łomża). 100 Gnatowski W radzieckich okowach S. 115. 101 Katolicka Agencja Informacyjna, ISSN 1426-1413, 23. Februar 2001; Interview mit Jadwiga Szymanowska, 23. Februar 2001, Wizna. 102 Kronika Panien Benedyktynek S. 74-75. 103 Zitiert nach Danuta und Aleksander Wroniszewski "... aby żyć", in: Kontakty - Łomżyński Tygodnik Społeczny, 10. Juli 1988. 104 Vgl. z.B. Krzysztof Różycki Sąsiad twój wróg, in: Angora, 17. September 2000; Tomasz Strzembosz Uroczysko Kobielno: Z dziejów konspiracji i partyzantki nad Biebrzą 1939-1940, in: Karta 5 (1991) S. 3-27. 105 Yad Vashem File, 033033-2636/256. 106 Dov Levin The Lesser of Two Evils S. 63. 107 Yitzhak Arad The Partisan. From the Valley of Death to Mount Zion, New York 1979 S. 26-27. 108 Białystok to Birkenau. The Holocaust Journey of Michel Mielnicki as told to John Munro, Vancouver 2000 S. 82-84. 109 Vgl. dazu Musial Konterrevolutionäre Elemente S. 71-81. 110 Gross/Grudzińska-Gross W Czterdziestym S. 28-30; dem Verfasser ist nicht bekannt, dass sich Gross von diesen Feststellungen später distanziert hätte. 111 Vernehmungsprotokoll von Stanisław Zejer, 11. Januar 1949. IPN, SOŁ 123, Bl. 605R. 112 Vernehmungsprotokoll von Stanisław Dąbrowski, 11. Januar 1949. Ebenda, Bl. 610R. 113 Vernehmungsprotokoll von Feliks Tarnacki, 11. Januar 1949. Ebenda, Bl. 612R. 114 Vernehmungsprotokoll von Roman Górski, 10. Januar 1949. Ebenda, Bl. 616R. 115 Vernehmungsprotokoll von Roman Minciura, 10. Januar 1949. Ebenda, Bl. 619R. 116 Vernehmungsprotokoll von Bolesław Ramotowski, 15. Januar 1949. Ebenda, Bl. 646R. 117 Anklageschrift vom 31. März 1949. Ebenda, Bl. 3R. 118 Urteilsbegründung, Ebenda, Bl. 227. 119 Antrag auf Todeserklärung, eingegangen am 25. Oktober 1948. APL, SGŁ Zg. 334/48. 120 Protokoll vom 2. Oktober 1948. APL, SGŁ Zg 308/48. 121 Protokoll vom 30. Juni 1949. APL, SGŁ Zg 105/49; diese Aussage ist insofern bemerkenswert, da sie nach dem Prozess gegen die polnischen Mittäter, der ja im Mai 1949 auch in Łomża stattgefunden hatte, gemacht wurde. 122 APL, SGŁ Zg. 167/47, 236/47, 129/48, 130/48, 165/48, 234/48, 235/48, 308/48, 334/48, 105/49, 178/49, Co 4/47, 13/47, 52/47. 123 Protokoll vom 25. Februar 1947. APL, SGŁ, Co 13/47; Protokoll vom 29. Mai 1948. Ebenda, Zg 129/48; Protokoll vom 8. Juli 1947. Ebenda, Co 52/47. 124 Todeserklärungsurkunde - Begründung vom 24. Mai 1949. APL, SGŁ Zg. 130/48. 125 Gross schreibt (S. 67): "In den uns vorliegenden Quellen werden nach meiner Zählung die Namen (und oft zusätzlich noch die Adressen) von zweiundneunzig Personen genannt, die sich an der Ermordung der Jedwabner Juden beteiligten." Diese Behauptung entbehrt jedoch jeglicher Quellengrundlage. 126 Zeugenaussage von Józef Grądowski, 29. März 1949. IPN, SOŁ 123, Bl. 749. 127 Ausführlich dazu Alexander B. Rossino Polish Neighbors' and German Invaders: Contextualizing Anti-Jewish Violence in the Białystok District during the Opening Weeks of Operation Barbarossa, Manuskript, erscheint in Polin Nr. 16. 128 Ereignismeldungen UdSSR, Nr. 10, 2. Juli 1941. Bundesarchiv, Berlin, R. 58/214, Bl. 52-53. 129 Abschlussbericht, 17. März 1964. BA-AL, 205 AR-Z 13/62, Bl. 156f; ausführlich Rossino. 130 Ebenda, Bl. 157-166; Vermerk vom 8. September 1965. Ebenda, Bl. 195-200; ausführlich Rossino. 131 Vernehmungsprotokoll vom 16. Januar 1949. IPN, SOŁ 123, Bl. 665R. 132 Vernehmungsprotokoll vom 10. Januar 1949. Ebenda Bl. 619R. 133 Zu ihnen gehörten offenkundig Jerzy Laudański, der nach eigenen Angaben Bote bei der Gendarmerie gewesen sei (IPN, SOŁ 123, Bl. 665), und Karol Bardoń (Urteilsbegründung. Ebenda, Bl. 227), der später in die deutsche Volksliste aufgenommen wurde. Archiwum Państwowe w Białymstoku, Der Landrat-Kreiskommissar des Kreises Lomscha, Bd. I, Bl. 12-15, 23-24. 134 Vgl. dazu Musial Konterrevolutionäre Elemente S. 172-199. 135 Vgl. ebenda S. 192-199. 136 So schreibt Gross beispielsweise (S. 175-176, Anm. 8): "Mehrere Guerillagruppen, die gegen Deutschen gekämpft hatten, machten nach dem Krieg weiter und bekämpften nunmehr die von der Kommunistischen Partei gesteuerten staatlichen Behörden. Gruppen [...], die in dieser Region aktiv waren, töteten zahlreiche Juden, Kommunisten und sonstige Personen, die ihnen unerwünscht waren. In Frączkes bereits zitierten Dissertation [...] finden wir reichlich Information über diesen Aspekt ihrer Nachkriegsaktivitäten (siehe S. 150-151, 187, 194, 254, 297)." Es handelt sich dabei um die nicht veröffentlichte Dissertation von Tadeusz Frączek Formacje zbrojne obozu narodowego na Białostocczyźnie w latach 1939-1956, Warszawa 1996, die am Wojskowy Instytut Historyczny geschrieben wurde. Eine Überprüfung des erwähnten Manuskripts ergab, dass sich auf Seiten 150-151, 187 keine Angaben über irgendwelche Exekutionen befinden. 137 In einer Diskussion am 17. Mai 2001 erklärte Gross: "'Nachbarn' ist eine wissenschaftliche Publikation, die auf Grundlage zugänglicher Dokumentation zum Thema und sorgfältigen Recherchen verfasst wurde. Wenn man das Buch in die Hand nimmt, wird man schnell feststellen, dass sie mit Anmerkungen und Verweisen versehen ist." in: 138 Rücksicht auf die Verbündeten, in: Berliner Zeitung vom 4. September 2000. 139 Jan Gross on Poland's Shame, in: New Yorker vom 6. März 2001; ähnlich in einem Interview für Badische Zeitung am 22. März 2001. 140 Diabeł zstąpił do Jedwabnego, in: Kontakty, 8 (1060) vom 25. Februar 2001. 141 Vgl. Daniel Jonah Goldhagen Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust, Berlin 1996. 142 Beispielsweise warf Gross seinem polnischen Hauptkritiker Tomasz Strzembosz vor, er verbreite historische Fälschungen, die seine Antipathien gegenüber den Juden verrieten. Ferner sei Strzembosz feige, weil er selbst nichts über Mord an Juden geschrieben habe. Jan Tomasz Gross A Jednak Sąsiedzi, in: Rzeczpospolita, 11.4.2001; seine Befürworter stehen ihm dabei nicht nach, wie z.B. Artur Domosławski Kustosz Polski niewinnej, in: GW, 19.-20.5.2001. 143 So Gross in The Wall Street Journal vom 19. Juli 2001 und Rzeczpospolita vom 20. Juli 2001. Zu den "kristallklaren Stimmen" zählt Gross auch die von Alexander Kwa?niewski, der sich für den Mord an Juden in Jedwabne als polnischer Präsident entschuldigt hat. Bemerkenswert ist dabei, dass sich unter seinen engsten Mitarbeitern mehrere ehemalige kommunistische Funktionäre befinden, die sich im Jahre 1968 an der antisemitischen Hetze der kommunistischen Partei in Polen aktiv beteiligten (Vgl.: Życie vom 27., 28. März, und 4. April 2001). Zu den etwa 30.000 Opfern dieser Hetze zählt auch Jan Tomasz Gross. 144 Seit Anfang der neunziger Jahre kann man in Polen von einem "Boom" der Beschäftigung mit der Geschichte der polnischen Juden sprechen, wobei besondere Aufmerksamkeit dem Verhalten der Polen während des Holocaust gilt. 145 Es ging soweit, dass wissenschaftliche Kritiker von Gross' Thesen um ihre Arbeitsplätze fürchten mußten. 146 Über die wissenschaftliche Qualität der "alten" Wehrmachtsausstellung vgl. Bogdan Musial Die Wanderausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" und der Bericht der Kommission zu ihrer Überprüfung, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (8) 2001 S. 712-731. 147 Götz Aly Mit Droysen nach Jedwabne, in: Berliner Zeitung vom 12. Juli 2001. 148 Joanna Wiórkiewicz Zakłócone echo debaty, in: Rzeczpospolita vom 17. Oktober 2001. 149 Joachim Trenkner Niemcy o sprawie Jedwabnego, in: Tygodnik Powszechny 2001/49, S. 4. 150 Wie beispielsweise der ehemalige Landeschef des Bundes der Vertriebenen in Thüringen. Vgl. "Empörung über Thüringer Vertriebenenchef", in: Berliner Zeitung, 12. November 2001. 151 So z.B. Gabriele Lesser in der Tageszeitung vom 21. März 2001. 152 Dabei lassen sie außer Acht, das die polnische Geschichte im 20. Jahrhundert völlig anders verlief als die deutsche. Auch entgeht ihnen, dass polnische Postkommunisten und ihre Anhänger die Debatte um Jedwabne wohl u.a. deswegen begrüßen, weil sie von kommunistischen Verbrechen, d.h. den eigenen, ablenkt. 153 Thomas Medicus Abgelebt, neu aufgelegt, in: Frankfurter Rundschau vom 5. Oktober 2001. 154 Joachim Trenkner Niemcy o sprawie Jedwabnego, in: Tygodnik Powszechny 2001/49 S. 4. 155 Ebenda. 156 Vgl. dazu Zdzisława Krasnodębski Przywracanie pamięci, w: Znak (6) 2000 s. 9-24. |